Eine deutschlandweit einzigartige Forschungsfabrik für Batteriezellenproduktion wird in Münster angesiedelt. Die Entscheidung für die "Forschungsfertigung Batteriezelle" (FFB) gab Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bekannt. Nordrhein-Westfalen setzte sich damit gegen bundesweit fünf Mitbewerberstandorte durch.

In Münster sollen leistungsfähige Speichertechnologien entwickelt und erforscht werden. Ihnen wird zentrale Bedeutung bei künftigen Entwicklungen vor allem in der Energie- und der Autoindustrie beigemessen. Elektroautos benötigten leistungsfähige Batterien für entsprechende Reichweiten, Strom aus erneuerbaren Energien sei auf stationäre Energiespeicher angewiesen, erläuterte die Fraunhofer-Gesellschaft als Trägerin der FFB.

Die Bundesregierung will in der Batterietechnologie im internationalen Wettbewerb aufholen und fördert deshalb die Forschung mit 500 Millionen Euro. Es gehe darum, möglichst den gesamten Wertschöpfungsprozess in Deutschland zu halten, vom Bau einzelner Teile bis zur Wiederverwertung. Dazu solle ein Konzept entwickelt werden, das Forschung an neuen Batteriezellen und für effiziente Produktionsprozesse zusammenführen solle, erläuterte Karliczek.

Schwesig kritisiert, dass Osten leer ausgeht

Die nordrhein-westfälische Landesregierung wird nach der erfolgreichen Bewerbung Münsters für Aufbau und Betrieb der FFB insgesamt mehr als 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Nordrhein-Westfalen hatte sich mit einem Forschungskonsortium unter Federführung des Münster Electrochemical Energy Technology (MEET, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) gemeinsam mit dem Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich beworben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte, dass ostdeutsche Standorte bei der Batteriezellenforschung leer ausgegangen seien. Dies sei "nicht akzeptabel". Als Bundesministerin müsse sich die aus dem westfälischen Ibbenbüren stammende Karlizcek "um mehr kümmern als nur um ihren Wahlkreis".

Es gebe eine "Verabredung" der Bundesregierung für verstärkte Ansiedlungen im Osten, erklärte Schwesig. "Diese Verabredung ist seit den Neunzigerjahren nicht umgesetzt worden", kritisierte die kommissarische SPD-Vorsitzende. Deshalb hätten die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder vereinbart, "das jetzt endlich nachzuholen". Diese Vereinbarung habe Karlizcek gebrochen.

Für Münster habe bei fast gleichwertigen Vorschlägen letztlich auch das Recyclingkonzept gesprochen, argumentierte Karliczek. Die Wiederverwertung soll in Ibbenbüren aufgezogen werden. Dies könne dort eine Alternative zur mittlerweile eingestellten Steinkohleförderung sein.