Die Deutsche Bank hat den zweiten Teil des jährlichen US-Stresstests für große Finanzkonzerne überstanden. Eine Woche zuvor bestand sie bereits den ersten Teil des von der Federal Reserve (Fed) durchgeführten Tests. Im zweiten Teil wurden vor allem das Risikomanagement und die internen Kontrollprozesse bei der Bank durchleuchtet und bewertet. Vor allem in diesen Bereichen hatte die Deutsche Bank lange Zeit Schwächen. Der Ausgang des Tests war deshalb ungewiss.

Experten hatten erwartet, dass die Fed zumindest Auflagen verhängen würde. Allerdings habe laut der US-Notenbank die Deutsche-Bank-Tochter DB USA bei ihrer Kapitalplanung Fortschritte erzielt und könne nun wieder unabhängiger von Kontrollen operieren. Die Geldflüsse zwischen ihr und dem Mutterkonzern in Frankfurt müssen nun nicht mehr von der Fed genehmigt werden.

Aktionäre erwarten neue Strategie

Vertreter der Deutschen Bank sollen sich zufrieden, aber betont nüchtern geäußert haben. Für den Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing ist das Bestehen der Belastungsprobe ein Achtungserfolg, der es ihm erlaubt, sich seinem Hauptziel zu widmen: Der Banker hatte den Aktionären harte Einschnitte im riskanten und unprofitablen Investmentbanking versprochen, im Zuge derer auch das US-Geschäft massiv sinken soll. Bis Ende Juli erwarten die Aktionäre eine neue Strategie, die Bank wieder stabil und profitabel zu machen. Erst kürzlich hat die einflussreiche Ratingagentur Fitch den Finanzkonzern heruntergestuft.

Die Belastungsprobe, die von der Fed jährlich durchgeführt wird, hat die Deutsche Bank in den Jahren 2015, 2016 und 2018 nicht bestanden. Bei dem Test wird simuliert, wie sich ein extremer Wirtschaftsabschwung samt massivem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf die Kapitalpolster der Banken auswirken würde, vor allem auf ihre Fähigkeit, Unternehmen und Haushalte mit Krediten zu versorgen. Diese Simulationen wurden als Lehre aus der Finanzkrise 2008 eingeführt, als die Existenz vieler Banken wegen unzureichenden Eigenkapitals gefährdet war. In Europa wird ein ähnlicher Test von der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgeführt.

Systemrelevante Banken

Insgesamt wurden 18 Banken von der Fed auf ihre Krisenresistenz getestet. Im vergangenen Jahr sind es noch 34 gewesen. Die Deutsche Bank gehört zu den sogenannten systemrelevanten Banken, die aufgrund ihrer Größe und ihrer Vernetzung innerhalb des internationalen Finanzsystems besonders kritisch geprüft werden. Auch die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und die Bank of America wurden dem Test unterzogen. Die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS wurden ebenfalls geprüft. Die Credit Suisse soll den Stresstest nur unter Auflagen bestanden haben.