Das Aachener Polizeipräsidium warnte die Schülerinnen und Schüler unlängst in einem Brief, sich nicht von dieser Gruppe instrumentalisieren zu lassen, die sich ebenfalls an den Protesten beteiligen will. Bei den Behörden hat das Bündnis einen miserablen Ruf. In der Vergangenheit kam es bei ihren Aktionen immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei. Platzverweise wurden ausgesprochen, Anzeigen erstattet, Demonstranten festgenommen. Für das jetzige Protestwochenende wurden Blockadeaktionen angekündigt.

Die FFF-Aktivisten und -Aktivistinnen könnten da leicht in die "Strafbarkeitsfalle" tappen, warnte die Polizei. Es würden millionenschwere Schadensersatzklagen drohen. Beispielhaft führte die Polizei mehrere Urteile gegen Ende-Gelände-Aktivisten an, musste später aber einräumen, dass die Verfahren noch gar nicht abgeschlossen sind. FFF wies das Schreiben als "gezielten Spaltungsversuch" empört zurück und erklärte sich demonstrativ solidarisch mit dem Aktionsbündnis. Ob und wie viele FFF-Anhänger bei den Aktionen von Ende Gelände dabei sein werden, ist unklar. Brünger selbst will sich aus Angst vor Auseinandersetzungen mit der Polizei nicht beteiligen, sagt sie. Boltersdorf dagegen will in die Tagebaugrube gehen. Sie will dort sogar Presseansprechpartnerin für Ende Gelände sein.

Der Konzern RWE hat die Blockierer in dieser Woche noch einmal vor den lebensgefährlichen Risiken gewarnt und angekündigt, Straftaten anzuzeigen. Dass der Konzern das ernst meint, hat der Bonner Student Daniel Hofinger am eigenen Leib erfahren. Der Ende-Gelände-Sprecher erhielt Ende Mai von RWE eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 50.000 Euro. Er hatte im vergangenen Jahr eine Unterlassungsverpflichtung unterzeichnet und erklärt, die Betriebsgelände von RWE nicht mehr zu betreten. Der Konzern wirft ihm nun vor, durch Aufrufe zu Protesten unter anderem via Twitter dagegen verstoßen zu haben.

Protestcamp von Ende Gelände in Viersen © Alexander Parth

Hofinger sitzt auf einer Bierbank auf einer großen Wiese in Viersen, wo Ende Gelände sein Protestcamp fürs Wochenende eingerichtet hat. In der Mitte thront ein riesiges Zirkuszelt. Es soll bis zum Sonntag das Thing für Tausende Aktivisten sein, die Ende Gelände aus ganz Europa erwartet. Seit Montag hat das Bündnis eine kleine Stadt zusammengezimmert. Zelte für Workshops, Dixi-Klos, Waschgelegenheiten, einen Pizza- und einen Crêpe-Stand. Und Dutzende Biertische, die aus der Luft ein großes X ergeben, das Zeichen des Kohlewiderstands.

Ein gesellschaftlicher Kristallisationsort

Nach eigenen Angaben will Ende Gelände an zwei Aktionstagen die Kohleinfrastruktur rund um den Tagebau Garzweiler II durch Blockaden lahmlegen. Mit den Aktionen wolle man insbesondere auf die Dörfer aufmerksam machen, die vor der Umsiedlung stehen und in den nächsten Jahren im Grabungsloch verschwinden sollen. Im Dezember hatten sich Akteure aus Politik, Experten und Braunkohlegegner im Kohlekompromiss zwar auf den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038 verständigt. Eine Rettung der Dörfer indes gilt als unwahrscheinlich.

Bei Nachfragen, wie es das Bündnis mit Gewalt halte, wird auf den Aktionskonsens verwiesen: Ja, man werde mit Mitteln des zivilen Ungehorsams blockieren, aber man werde friedlich bleiben. Hofinger, aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, gehört zu den Gründern des Bündnisses. "Das Rheinische Revier ist ein gesellschaftliches Brennglas, ein Kristallisationsort", sagt der 25-Jährige. Es gehe längst nicht mehr allein um den Klimakampf. "Wir wollen mehr Demokratie. Die Grundausrichtung der Politik muss es sein, auch den Schwächsten eine Stimme zu geben."

Um weiterem Ärger mit RWE aus dem Weg zu gehen, werde er am Wochenende nicht in die Grube gehen, beteuert Hofinger. Dann verabschiedet er sich und stellt sich in die Warteschlange an der Essensausgabe. Es gibt russische Soljanka. Ohne Speck, mit Tofu.