Noch lieber als einen Flickenteppich separater Abkommen wäre Abe allerdings eine funktionstüchtige Welthandelsorganisation, die dem internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr funktionierende Regeln setzt und Streitigkeiten auf allgemein anerkannte Art schlichtet. Unmöglich scheint das nicht, schließlich haben sich die G20 bei ihrem letzten Gipfel in Buenos Aires schon auf dieses Ziel verständigt. Doch die USA sabotieren die WTO. Derzeit blockieren sie die Ernennung neuer Richter, womit das Streitschlichtungsorgan der WTO ab Ende des Jahres, wenn die Amtszeiten zweier Richter auslaufen, seine Entscheidungskompetenz verlieren wird. US-Präsident Trump sieht sein Land in Streitfällen meist benachteiligt und Länder wie China im Vorteil.

Japans Premier Abe bemüht sich um Verständigung. Seit einiger Zeit pendelt er zwischen den Hauptstädten der Welt und führt Gespräche, damit die Regierungschefs auf ihrem Treffen in Osaka einander zumindest zuhören. Abe reiste nach Teheran, um bei der iranischen Regierung für ein Festhalten am internationalen Atomdeal zu werben, den Donald Trump aufgekündigt hat. Und gegenüber der Europäischen Union, die sich eigentlich als gleichgesinnter Partner Japans versteht, verhält sich Abe derzeit auffallend zurückhaltend, wenn es darum geht, an Trumps Blockade der WTO Kritik zu üben.

Etwas hat Abe schon erreicht

Dafür tourte der Premier in den vergangenen Wochen durch mehrere EU-Staaten, um sich mit den Staats- und Regierungschefs dort auf einen gemeinsamen Umgang mit China zu einigen. Schließlich klagen viele westliche Staaten darüber, dass die chinesische Regierung wettbewerbsverzerrende Subventionen an chinesische Betriebe zahle. Zugleich kündigte Abe der chinesischen Regierung an, dass sich Japan vorstellen könnte, eine Investitionspartnerschaft für globale Infrastruktur einzugehen. Und auch mit Russland hält Japan einen zwar schwierigen, aber doch intakten Draht. So wirkt Abe derzeit fast wie ein Everybody’s Darling der internationalen Politik – was ihn zu einem guten Gastgeber machen könnte.

Und etwas hat Shinzo Abe schon vorab erreicht. Vor einer guten Woche kündigte Donald Trump an, er werde sich mit Xi Jinping zu einem Gespräch unter vier Augen treffen. Wenn die zwei größten Volkswirtschaften einander nicht mehr drohen, sondern miteinander reden, wäre für das Wiederaufleben des Multilateralismus schon eine erste Bedingung erfüllt.