Die Arbeitslosigkeit liegt seit Monaten bei knapp fünf Prozent, oft sogar darunter. In vielen Berufen herrscht Fachkräftemangel und trotz zurückhaltender Wirtschaftsprognosen hält die gute Lage am Arbeitsmarkt ungebrochen an – kein Wunder also, dass sich das auch bei den Gehaltszahlungen bemerkbar macht. Am Montag hat das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass die Löhne in Deutschland in den ersten drei Monaten des Jahres gestiegen sind. Im Schnitt bekamen Beschäftigte 2,5 Prozent mehr Gehalt.

Zugleich stiegen zwar auch die Preise um durchschnittlich 1,4 Prozent. Weil aber die Gehaltszuwächse und vor allem die guten Tarifabschlüsse der vergangenen Monate deutlich darüber lagen, konnten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schnitt über real 1,2 Prozent mehr Geld freuen.

Das mag wenig klingen, ist es aber gar nicht: Bei einem Durchschnittsverdienst von 3.242 Euro brutto im Monat – das ist der Wert, mit dem die Deutsche Rentenversicherung die Rentenwerte für 2019 beispielsweise berechnet – sind es 38,90 Euro pro Monat, also 466,80 Euro im Jahr. Bei diesem Einkommen liegt der Steuersatz im Schnitt bei 20 Prozent. Das heißt, ein Beschäftigter hat jährlich netto 373,44 Euro mehr in der Tasche – Inflationsrate schon mit eingerechnet.

Die Gehaltssteigerungen waren aber nach Branchen und Berufen sehr unterschiedlich. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Nominallöhne in der Immobilienbranche (Grundstücks- und Wohnungswesen) sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche um gut fünf Prozent. Auch in der Tourismuswirtschaft, im Kulturbereich und vielen wirtschaftlichen Dienstleistungsbereichen stiegen die Gehälter stark.

Nachholbedarf erklärt den großen Sprung

Dabei spielen auch Tariferhöhungen eine wichtige Rolle, die von Gewerkschaften zuletzt auch für eher niedrig bezahlte Berufe erkämpft wurden: Im Baugewerbe gab es etwa einen Abschluss über 4,4 Prozent, im Bereich Verkehr und Lagerei stiegen die Tarifgehälter um 4,3 Prozent und auch im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Verarbeitenden Gewerbe konnten sich die Sozialpartner mit 3,4 beziehungsweise 3,3, Prozent auf ordentliche Gehaltszuwächse einigen.

Dagegen bekamen laut den Statistikerinnen und Statistikern angestellte Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher real nur 1,3 Prozent mehr Geld. Der niedrige Wert ist aber erklärbar: Die Gewerkschaften ver.di und GEW haben mit den Arbeitgebern erst im März acht Prozent mehr Lohn vereinbart. Diese Gehaltssteigerungen wurden aber erst ab Mai rückwirkend für Januar 2019 ausgezahlt und sind daher in die Statistik noch nicht eingeflossen.

Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre seit 2008 zeigt sich außerdem: Besonders kräftige Lohnzuwächse hatten Frauen und Menschen in Ostdeutschland. So stiegen die Gehälter im Osten um 31 Prozent, die Verdienste von Frauen um rund 28 Prozent, die Gehälter von Männern aber nur um 25 Prozent. In den Zahlen sind auch Sonderzahlungen enthalten.