Der Rechtsstreit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup geht weiter: Das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto will das Milliardenurteil im jüngsten US-Prozess um Krebsgefahren ihres Unkrautvernichters aufheben lassen. Entsprechende Anträge reichten die Anwälte des Konzerns bei der zuständigen Richterin Winifred Smith in Kalifornien ein. Smith solle die Entscheidung der Jury von Mitte Mai entweder revidieren oder einen neuen Prozess ansetzen. Die Begründung der Anwälte: Die Entscheidung der Geschworenen werde nicht von Fakten getragen. Bei dem Verfahren sei es um eine "abstrakte Verunglimpfung von Monsanto" gegangen. Das Urteil gehe auf "aufwieglerische, erfundene und irrelevante Beweise" der Anwälte der Kläger zurück, hieß es in den eingereichten Unterlagen.

Eine Jury im kalifornischen Oakland hatte das Unternehmen im Mai zu einer hohen Strafe verurteilt. Monsanto muss demnach 2,05 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro, an das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod zahlen. Die Kläger sind beide über 70 Jahre alt und an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Sie machen die jahrzehntelange Verwendung des Unkrautvernichters Roundup dafür verantwortlich. Die Entscheidung war bereits der dritte Schuldspruch binnen weniger Monate.

Bayer hatte sofort nach dem Urteil angekündigt, Berufung einzulegen. In den nun eingereichten Gerichtsanträgen argumentiert der Konzern, die Klägeranwälte hätten Fakten verschleiert und die Jury aufgehetzt. Das Urteil stehe im Widerspruch zur Beweislage. "Ein neuer Prozess ist notwendig", so Bayers Anwälte. Der Dax-Konzern, der Monsanto 2018 für rund 63 Milliarden Dollar gekauft hatte, ist inzwischen mit rund 13.400 US-Klagen wegen Roundup konfrontiert.