Eine Wirtschaft, die dem Wohle der Menschen dient, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Jubiläumstagung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gefordert. Die Kanzlerin war als eine von 13 Vertreterinnen eingeladen. In ihrer Rede anlässlich des 100-jährigen Bestehens der ILO sprach sie sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen überall auf der Welt aus. Menschen dürften nicht nur als Produktionsfaktoren gesehen werden, sondern müssten sich verwirklichen und ihre Talente entfalten können. "Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt", sagte Merkel.

Die Kanzlerin erwähnte auch die Digitalisierung, die Menschen weltweit vor große Herausforderungen stelle. Die Frage sei, wie sich menschliche und künstliche Intelligenz ergänzen könnten. Viele Menschen hätten Angst um ihre Arbeitsplätze. "Wir müssen in unserer eng vernetzten Welt deutlich besser darin werden, aus Wirtschaftswachstum tatsächlich sozialen Fortschritt zu machen", sagte Merkel.

Außerdem betonte sie, wie wichtig internationale Kooperation sei. Das System der multilateralen Zusammenarbeit sei zunehmend in Gefahr. Viele Staaten würden sagen, sie kämen besser allein zurecht. "Der Kompromiss ist Teil der internationalen Kooperation", so Merkel.

Nach der deutschen Bundeskanzlerin sprach Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Ein bilaterales Treffen war aber nicht geplant.

Die ILO wurde 1919 gegründet, um den Weltfrieden durch eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen zu sichern. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Die Länder sind durch Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände vertreten. Sie erarbeitet möglichst weltweit anerkannte Arbeits- und Sozialstandards, die verhindern sollen, "dass sich einzelne Teilnehmer am internationalen Handel durch Abbau von Arbeitnehmerrechten und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Vorteile verschaffen", heißt es in einer Selbstbeschreibung.