Wer keinen Berufsabschluss hat, soll künftig einen Anspruch darauf bekommen, diesen nachzuholen. Außerdem will die Bundesregierung deutlich mehr Geld bereitstellen, damit sich Menschen weiterbilden können – zum Beispiel zum Meister oder Fachwirt. Das geht aus der Nationalen Weiterbildungsstrategie hervor, auf die sich Bund, Länder, Vertreter der Wirtschaft, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit verständigt haben.

Viele Arbeitnehmer verfügten über Wissen, Know-how und Kompetenzen, die sie ohne formalen Abschluss erworben haben. Im Rahmen der Weiterbildungsstrategie sollen Verfahren entwickelt werden, diese informell erworbenen Kompetenzen zu zertifizieren. Einen generellen Rechtsanspruch auf eine Berufsausbildung haben Ungelernte damit aber nicht, es wird auch künftig auf die persönliche Eignung ankommen.

Außerdem soll die finanzielle Förderung für die Vorbereitung auf einen Fortbildungsabschluss erhöht werden. Mit dem sogenannten Aufstiegs-BAföG sollen sich mehr Menschen fortbilden können. Dieses zahlt der Staat Menschen, die eine Weiterbildung zum Meister, Fach- oder Betriebswirt antreten. Die Bundesmittel dafür sollen um 350 Millionen Euro in dieser Legislaturperiode aufgestockt werden. 

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, sich mehr um die Weiterbildung von Beschäftigten zu kümmern. Hintergrund ist der digitale Wandel und die sich ständig verändernde Arbeitswelt.

"Meilenstein für die berufliche Weiterbildung"

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) lobte die Initiative als "Meilenstein für die berufliche Weiterbildung in Deutschland" . Qualifizierungen müssten in der Zukunft zum Arbeitsalltag gehören. "Die Weiterbildung muss so ausgestaltet sein, dass sie die Beschäftigten nicht überfordert, sondern sie motiviert, sich fortzubilden", sagte Karliczek. Vor allem ginge es darum, niedrigschwellige Angebote zu entwickeln. Darum soll ein Innovationswettbewerb ausgelobt werden, bei dem Ideen für eine interaktive Lernplattform gesammelt werden. Entstehen soll ein Angebot, auf dem die vielen Weiterbildungsangebote im Netz gut geordnet sichtbar werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass Deutschland mehr in Qualifizierung und Weiterbildung investieren müsse, "um die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern zu erhalten und Arbeitslosigkeit zu verhindern". Heil kündigte auch an, dass Maßnahmen wie staatlich geförderte Bildungszeiten geprüft werden sollen. Er sagte, dass er das aus der Arbeitslosenversicherung finanzierte Kurzarbeitergeld stärker mit Weiterbildung der Arbeitnehmer verknüpfen wolle. Für den Herbst plane er eine "konkrete gesetzgeberische Initiative" dazu. Dies könne etwa für Beschäftigte in Betrieben gelten, deren Geschäftsmodell durch den technologischen Wandel zu einem Ende komme. Bisher wird das Kurzarbeitergeld nur bei konjunkturellen Arbeitsausfällen oder bei einem Wechsel von Arbeitnehmern in eine Transfergesellschaft gezahlt. Heils Vorstoß lehnt sich an einen Vorschlag der IG Metall für ein Transformations-Kurzarbeitergeld an.

Positivbeispiele sollen Beschäftigte motivieren

Eine weitere Idee sind Weiterbildungsmentoren in den Betrieben, die bei der Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen unterstützen sollen. Denn viele Beschäftigte stünden Qualifizierungen skeptisch gegenüber, würden aber ihre Meinung ändern, wenn Kolleginnen und Kollegen positive Erfahrungen mit Weiterbildungen gemacht hätten.

Der Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, erklärte, dass ein besonderes Augenmerk auf jenen Menschen liege, die bisher nur wenig Weiterbildungen bekämen – das sind etwa Teilzeitkräfte und Menschen in einfachen Tätigkeiten. Auch sollen kleine und mittlere Unternehmen ohne große Personalabteilungen bei der Beratung und Planung von Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt werden. Das bereits seit Jahresbeginn geltende Qualifizierungschancengesetz sieht für kleine Unternehmen vor, dass Fortbildungen sogar komplett von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden.

Die Nationale Weiterbildungsstrategie ist nach Angaben der Minister die erste in der Geschichte der Bundesrepublik. 2021 soll ein erstes Fazit gezogen werden, um die Ziele zu überprüfen.