Nicht zuletzt aus diesem Grund brachte der Ethiker Peter Singer den Begriff des Speziesismus ins Spiel. Analog zu Diskriminierungsarten wie dem Sexismus oder dem Rassismus macht dieser Begriff die Abwertung einer ganzen Spezies zum Thema. Sie beschreiben eine kulturell begründete Praxis der Diskriminierung, deren Ergebnis – zum Beispiel, dass Afroamerikanern elementare Rechte verwehrt blieben oder dass Frauen jahrhundertelang allein für Erziehung und Familie zuständig waren – später zur Natur erklärt wird.

Erst Ende des 20. Jahrhunderts begannen Denkerinnen wie Judith Butler oder Homi K. Bhabha, die sich dahinter verbergenden Denkverkrustungen, die dem Erhalt verschiedener Machtstrukturen dienten, aufzubrechen. Dass wir heute so viel Fleisch essen und das Schlachten am Fließband geschieht, beruht genauso wenig wie die geschichtliche Deklassierung ganzer Bevölkerungsteile auf biologischen Notwendigkeiten. Wir haben uns irgendwann dazu entschieden – und sind auf den Geschmack gekommen.

Gemeinsames In-der-Welt-Sein

Da sich der Mensch und die meisten animalen Mitwesen, die in der Landwirtschaft eingesetzt sind, zumindest näher stehen als lange gedacht, fordern einige Intellektuelle schon seit längerer Zeit eine juristisch wirksame Aufwertung der Tiere. Dazu zählt etwa der 2017 verstorbene Philosoph Tom Regan, der in seinem Buch The Case for Animal Rights (2004) eine Gleichstellung beider Spezies geboten sah. Dies begründet er mit der Annahme, dass uns mit den Tieren verbinde, "Subjekte eines Lebens" zu sein. Uns ist demnach das In-der Welt-Sein gemeinsam und wir besitzen die Fähigkeit, dieses wahrnehmen zu können.

Regan senkt folglich die Hürde der Kriterien, die einen Zugang zu moralisch begründeten Schutzrechten erlauben. Auf diese Weise könnten Tiere beispielsweise in den Genuss von Grundrechten kommen, die einen Anspruch auf die Unversehrtheit des Körpers einschließen.

Regan argumentiert, Menschen mit geistigen Behinderungen, Intensivpatienten, Demenzkranke oder Kleinkinder könnten oft nicht unmittelbar und selbstständig für ihre Rechte eintreten, weil sie zum Beispiel kognitiv eingeschränkt seien. Trotzdem komme ihnen zurecht ein unbestreitbarer Wert an sich zu. Niemand würde ihnen die Menschenrechte verwehren. Warum sollten dann Tiere, die ihren Willen ebenso wenig souverän kundtun können, davon ausgeschlossen werden? Entscheidend ist für Regan nicht ein bestimmtes Können, sondern ein fundamentales Interesse jedes Lebewesens am Weiterleben.

Ein neuer Gesellschaftsvertrag

Inzwischen bilden derartige Rechtstheorien sogar den Ausgangspunkt für politische Staatstheorien. Die amerikanischen Autoren Sue Donaldson und Will Kymlicka entwerfen in ihrem Werk Zoopolis von 2013 eine Gesellschaft, in der die uns am nächsten stehenden Haus- und Nutztiere wie Vollbürger behandelt werden, während Wildtiere weniger Rechte erhalten. Die Idee entspringt einer realistischen Erkenntnis: Nur ein neuer Gesellschaftsvertrag vermag die Beziehungen zwischen den Spezies, die schon immer bestanden, neu zu ordnen.

Ein wichtiger Begriff ist in diesem Kontext jener der Würde. Nach der Schweiz hat nun auch Luxemburg im vergangenen Jahr die "Würde der Kreatur" in die Verfassung aufgenommen. Jene Aufwertung muss nicht bedeuten, dass es automatisch eine Gleichstellung mit der "Würde des Menschen" gibt, aber daraus ließe sich ableiten, den Tieren elementare Rechte zuzubilligen, die auch juristisch einklagbar wären.