Die luxemburgische Initiative zeugt immerhin von einem ersten, zaghaften Bewusstseinswandel, der begrüßenswert und nicht zuletzt auch für die aktuell geführte Diskussion um Klimaschutzmaßnahmen von Relevanz ist. Denn der Fleischkonsum hat – einschließlich der Produktionskette von der Regenwaldabholzung für Futtermittelanbau bis zu qualvollen Tiertransporten – erheblichen Anteil an der CO2-Bilanz.

Leider mangelt es jedoch noch an einer intensiv und ernsthaft geführten Debatte auf der politischen Ebene. Denn die Parteien hierzulande scheuen seit dem einst von den Grünen favorisierten Veggie-Day eine nachhaltige Debatte über den Konsum von Fleisch, Milch und Eiern, eben weil man freiheitsliebende Wähler nicht verprellen will.

Wenn die westlichen Gesellschaften ihre hehren moralischen Werte allerdings nicht zur Floskel verkommen lassen wollen, bedarf es dringend einer gesetzgeberischen Kraftanstrengung. Priorität müsste der Einführung von umfassenderen und wirksamen Tierrechten zukommen. Diese müssten klar ausformuliert sein und die Einhaltung müsste stärker von der Exekutive überwacht werden.

Die Utopie eines veganen Staates

Die Politik sollte, wie oben erwähnt, den Mut beweisen, eine Steuer auf Produkte mit tierischen Ingredienzen zu erheben. Damit diese nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern herangezogen wird, bedarf es einer Zweckbindung: Zum Beispiel könnte mit dem Geld die Wiederaufforstung finanziert werden oder die Bereinigung nitratverseuchter Böden. Eine Verteuerung solcher Produkte dürfte im Übrigen auch dazu führen, dass der Konsum sinkt und die Tiere eine höhere Wertschätzung erfahren.

Natürlich gilt es, analog zu einer etwaigen CO2-Steuer, auch in diesem Bereich über soziale Abfederungsmechanismen nachzudenken. So könnten zum Beispiel durchaus die Krankenkassenbeiträge bei vegan-vegetarischer Ernährungsweise sinken – oder sie könnten dafür gezielt Boni verteilen. Außerdem wäre es denkbar, mit EU-Agrarsubventionen für einen gerechten Lastenausgleich zu sorgen und damit für die damit verbundene ökologische Wende. Ernährungskonzerne wie zum Beispiel McDonalds oder Nestlé könnten außerdem stärker zur Kasse gebeten werden, da deren hohe Gewinne nicht die Kosten für die von ihnen verursachten Schäden – von Gülleseen bis zur Nitratverseuchung des Grundwassers – und das Leiden der Tiere widerspiegeln. Es sollte über höhere Besteuerungen des Gesamtumsatzes dieser Unternehmen nachgedacht werden.

Am Ende der Debatte steht dann womöglich die Utopie eines veganen Staates, auch wenn das für manche ein Schreckensgespinst sein mag.

Man könnte aber auch ganz realistisch beginnen, etwa indem man den Ansatz von Zoopolis ein wenig variiert: So könnte es zum Beispiel Tierhaltung für Milch und Eier durchaus weiterhin geben, allerdings unter der Prämisse, dass den sogenannten Nutztieren dafür ein unveräußerliches Recht auf Leben und eine entsprechende Lebensqualität garantiert wird. Denkbar wäre ein Kooperationsmodell, das unsere Ernährungsbedürfnisse mit animalen Schutzbedürfnissen verknüpft.

Wir sollten solche Schritte nicht vor allem unter den Vorzeichen des Verlustes von Freiheit diskutieren. Vielmehr ergäbe sich eine Freiheit zur Verantwortung, zu einer neuen Moral, die in unseren Tagen allzu oft mit Verbotskultur verwechselt wird.