Für viele Mieterinnen und Mieter ist klar, wer der Gegner ist: die Immobilienkonzerne. Besonders in den Großstädten sind die steigenden Mieten ein Thema, wo Firmen wie Vonovia mit knapp 400.000 Wohnungen in Deutschland oder auch die Deutsche Wohnen mit mehr als 160.000 Wohnungen immer wieder wegen starken Mieterhöhungen in der Kritik stehen. Der Vorwurf: Sie wollen Rendite machen auf Kosten der Mieterinnen und Mieter.

Besonders heftig ist dieser Konflikt aktuell in Berlin, wo eine Initiative private Wohnungsgesellschaften sogar enteignen will. Raffgierige Immobilienkonzerne gegen ehrliche Mieterinnen und Mieter – dieses Bild prägt die Debatte. Auch wenn es Beispiele gibt, in denen diese Konstellation zutrifft, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die Realität sieht anders aus. Das fängt mit der Bedeutung der privaten Wohnungskonzerne an. Es gibt sie – doch ihre Rolle wird meist überschätzt. 

60 Prozent aller Mietwohnungen gehören Privatpersonen.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW) schlüsselt das mit Daten des Mikrozensus auf. Er blickt auf die Gesamtheit des Wohnungsbestands in Deutschland. Die Statistik zeigt: Fast 60 Prozent aller vermieteten Wohnungen sind im Eigentum von Privatpersonen, die nicht hauptberuflich Immobilen vermieten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die anderen 40 Prozent werden von professionell-gewerblichen Anbietern vermietet. Dazu zählen auch Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen, die mit gut 24 Prozent sogar wichtiger sind als die privatwirtschaftlichen, professionell-gewerblichen Eigentümer, wie Immobilienkonzerne, Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen. Ihr Anteil an den vermieteten Wohnungen in ganz Deutschland beträgt nur rund 17 Prozent.

Auch in den Großstädten mit über 500.000 Menschen sieht es kaum anders aus. Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft, die sich auf Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels beruft, sind auch hier die privaten Eigentümer die größte Vermietergruppe. 48 Prozent der Mietwohnungen werden von ihnen angeboten. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: In Berlin etwa spielen Kleinvermieter mit nur fünf Prozent kaum eine Rolle, in anderen Städten sind sie sogar die Mehrheit aller Vermietenden.

Deutschland ist ein Mieterland

Weitet man den Blick auf ganz Deutschland, wird das Bild noch eindeutiger. Etwa 36 Millionen bewohnte Wohnungen gab es laut Mikrozensus 2014 in Deutschland. 45,5 Prozent der Wohnungen in Wohngebäuden werden von ihren Eigentümern bewohnt, 55,5 Prozent der Wohnungen sind vermietet. Allerdings zeigen sich auch hier regionale Unterschiede: Während 62,6 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus wohnen, sind es in Hamburg und Berlin nur 23 beziehungsweise 14 Prozent. Beide Stadtstaaten sind bundesweites Schlusslicht bei der sogenannten Eigentumsquote.

9,3 Prozent aller Haushalte erwirtschaftet Einnahmen aus Vermietung.

Und die Zahl der privaten Vermieterinnen und Vermieter steigt. Im Jahr 2015 erzielten in Deutschland 3,9 Millionen Haushalte Mieteinnahmen – 750.000 mehr als noch im Jahr 2000, das zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Grundlage des Sozio-oekonomischen Panels. Heute hat fast jeder zehnte Haushalt somit Einnahmen aus Vermietung.

Gründe für das Interesse an Immobilien sind die niedrigen Zinsen, eine gute Konjunktur und die steigende Wohnungsnachfrage. Interessant dabei ist, dass die Privatvermieter nicht unbedingt zu den oberen Zehntausend gehören. Zwar vermieten 21 Prozent der Menschen, die zum obersten Einkommensfünftel der Bevölkerung zählen, aber auch im untersten Fünftel sind es noch fast sechs Prozent. Auch Arbeiter mit einem überschaubaren Einkommen sind in Deutschland also Vermieter.

1,30 Euro mehr pro Quadratmeter verlangen private Vermieter mehr an Nettokaltmiete als kommunale Vermieter

Und was ist jetzt dran am Bild vom Miethai? Der Verband Haus & Grund vertritt die privaten Vermieter in Deutschland. Er verweist darauf, dass 22,6 Prozent der Privatvermieter die Miete nur bei einem Mieterwechsel erhöhen. Das zeige eine Umfrage des Verbands. Und auch eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fand heraus, dass private Vermieter anders als Unternehmen oft auf mögliche Mieterhöhungen verzichten – wohl auch, um das gute Verhältnis zu ihren Mietern nicht zu gefährden. Laut Statistischem Bundesamt erhöhten die Kleinvermieter zwischen 2015 und 2018 die Miete lediglich um rund vier Prozent, private Wohnungskonzerne dagegen um sechs Prozent. Und sogar Wohnungsgenossenschaften und kommunale Vermieter lagen knapp über den Kleinvermietern.

Betrachtet man jedoch nur die Großstädte, zeigt sich ein anderes Bild: Während die Mietsteigerungen in kommunalen Wohnungen seit 2013 kaum und bei Genossenschaften sehr moderat gestiegen sind, gab es starke Erhöhungen bei privaten Eigentümern – allen voran bei Immobilienkonzernen. Das belegt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Im Durchschnitt bieten beide Vermietergruppen Wohnraum zu einer Nettokaltmiete von 8,70 Euro pro Quadratmeter an. Die Durchschnittsmieten der Genossenschaften betrugen hingegen 7,50 Euro und die der kommunalen Wohnungsunternehmen 7,40 Euro pro Quadratmeter.