Nach den Abstürzen zweier Maschinen vom Typ Boeing 737 Max hat der US-Flugzeugbauer einen Entschädigungsfonds angekündigt: Mit 100 Millionen Dollar (88,6 Millionen Euro) soll den Hinterbliebenen der Opfer geholfen werden. Das Geld sei unabhängig von den laufenden Klagen, sagte ein Boeing-Sprecher. Damit sollten die Ausbildung und täglichen Ausgaben von Familien der Todesopfer sowie Entwicklungsprogramme in den betroffenen Gemeinden finanziert werden. Die Summe solle über mehrere Jahre ausgezahlt werden. Boeing kündigte an, dabei mit örtlichen Regierungen und Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten.

Bei zwei Abstürzen von Boeing 737 Max im Oktober 2018 in Indonesien und im März 2019 in Äthiopien waren insgesamt 346 Menschen gestorben. In der Folge wurde im März ein weltweites Flugverbot für den Flugzeugtyp verhängt, das bis auf Weiteres gilt. Als Ursache der Abstürze wird ein Problem bei dem neuartigen Stabilisierungssystem MCAS vermutet. Boeing hat deswegen ein Softwareupdate vorgenommen. Der US-Flugzeugbauer war für seinen Umgang mit den Tragödien viel kritisiert worden.

Boeing bedauere den tragischen Verlust von Menschenleben und hoffe, dieses erste Engagement bringe etwas Trost, sagte Unternehmenschef Dennis Muilenburg. Anwälte von Familien der Opfer zeigten sich wenig beeindruckt von der Ankündigung. "Für die Gesamtheit der Verluste ist das eine sehr kleine Zahl", sagte Robert Clifford, der Hinterbliebene des Ethiopian-Airlines-Absturzes vertritt. "Ich würde nicht einmal sagen, dass es ein guter Anfang ist." Sein Kollege Thomas Demetrio sprach von einer PR-Veranstaltung, die den Schadenersatz für die Familien nicht schmälern werde. Boeing solle lieber seine Flugzeuge sicherer machen.

Unabhängig von dem geplanten Entschädigungsfonds verhandelt Boeing vor Gericht mit Angehörigen von Absturzopfern über einen Vergleich. Die Parteien hätten sich geeinigt, eine rasche Lösung auszuloten, damit die Betroffenen ohne lange Rechtsverfahren entschädigt werden können, hatte ein Boeing-Sprecher vergangene Woche mitgeteilt.

Dabei geht es zunächst um den Absturz der 737 Max in Indonesien. Doch auch wegen des Absturzes in Äthiopien ist Boeing mit solchen Klagen konfrontiert. Der US-Konzern steht im Verdacht, die Sicherheit der 737 Max vernachlässigt zu haben.