Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag hat in einer Studie im Auftrag des Parlaments offenbar große Nachhaltigkeitsdefizite der deutschen Landwirtschaft ausfindig gemacht. Das 328-seitige Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, resümiert, die ökologische Nachhaltigkeit habe sich verschlechtert. Insgesamt steige die Abhängigkeit von Futterimporten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, gleichzeitig nehme die Artenvielfalt ab. Immer häufiger würden Nutztiere eingesetzt, die einseitig auf hohe Leistung getrimmt seien, intensive Nutztierhaltung ohne Auslauf nähme zu.

Zusätzlich sei das Höfesterben der vergangenen Jahre ein Zeichen dafür, "dass die Branche insgesamt durch einen Mangel an ökonomischer Nachhaltigkeit gekennzeichnet ist", heißt es dem Bericht zufolge in dem Papier weiter. In einem Zeitraum von sieben Jahren (2010 bis 2017) sei die Anzahl der Betriebe mit Rindern um 18 Prozent zurückgegangen, solche mit Milchkühen um 28 Prozent. Von 2007 bis 2016 habe sich zudem die Anzahl der Betriebe mit Schweinehaltung halbiert. Folglich gebe es hohe Arbeitsplatzverluste in der Landwirtschaft.    

Darüber hinaus liegt Deutschland der Studie zufolge beim Ökolandbau im europäischen Vergleich zurück. Während in Österreich 21 Prozent der Fläche ökologisch betrieben würden, seien es in Deutschland nur knapp sieben. Das Papier bezieht sich hier allerdings auf Vergleichswerte aus dem Jahr 2016. Doch auch die Geschwindigkeit des Wandels ist in Deutschland dem Papier zufolge vergleichsweise niedrig. Hierzulande gab es seit 2005 nur eine moderate Zunahme.

Die Opposition sieht Handlungsbedarf bei der Regierung. "Die Zeit drängt. Die Situation ist dramatisch", sagt der Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff von den Grünen. "Wir müssen jetzt alle Register ziehen, um unsere bäuerlichen Strukturen und die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten."