Der Machtkampf bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) geht weiter: Nun hat auch der der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates, Peter Clever, überraschend seinen Rücktritt erklärt. In einem Brief an das Gremium teilte er mir, er habe Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) um Entbindung von seinem Amt gebeten. Er wolle durch seine Rücktritt den Weg frei machen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Verwaltungsrat.

Erst am Freitag war die Spitzenmanagerin Valerie Holsboer von ihrem Posten im Vorstand der Behörde abberufen worden. Die Finanz- und Personalchefin war die bisher einzige Frau im BA-Vorstand und in dieser Funktion zuständig für einen Etat von rund 35 Milliarden Euro. Eigentlich hatte sie einen Fünf-Jahres-Vertrag, der nun nach zwei Jahren vorzeitig aufgelöst wurde. 

Eine Mehrheit im Verwaltungsrat hatte ihren Rücktritt gefordert, weil Holsboer die Erwartungen vor allem der Arbeitgebervertreter im Gremiuem nicht erfüllt habe, ein Gegengewicht zu Scheele zu bilden, der SPD-Mitglied ist. Clever, der dem Rat seit 15 Jahren angehörte, galt als einer der Strippenzieher der Machtkampagne gegen Holsboer. Er ist Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und war erst Anfang Juni zum stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrat gewählt worden.

Vorsitzende ist die Gewerkschafterin Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der Rat überwacht und berät Vorstand und Verwaltung in allen aktuellen Fragen des Arbeitsmarktes und setzt sich je zu einem Drittel aus Arbeitgebervertretern, Gewerkschaftern und der öffentlichen Hand zusammen.

Rückzug sollte die Holsboer-Unterstützter besänftigen

Clever schrieb in seinem Brief an das Gremium, die Abberufung von Holsboer sei der Schlusspunkt eines leider notwendig gewordenen Konfliktes gewesen. Die BA stehe vor neuen schwierigen Herausforderungen, für deren erfolgreiche Bewältigung der Verwaltungsrat wesentliche Mitverantwortung trage.

Dass sich Clever aus dem Gremium zurückzieht, wurde schon länger erwartet. Eine Rolle habe dabei auch gespielt, dass er Holsboer selbst für die Position an der Spitze der Bundesbehörde vorgeschlagen hatte, dies aber bald schon als Fehler habe eingestehen müssen. Dies hätten ihm einige im Arbeitgeberverband verübelt, vor allem vereinzelte Holsboer-Unterstützer. 

Als Clevers Nachfolger schlägt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ihren Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter vor.