Der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit hat Valerie Holsboer von ihrem Posten abberufen. Wie das Gremium mitteilte, stimmten die Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften für die Absetzung der 42-jährigen Juristin. Die Vorsitzende des Verwaltungsrats und Sprecher der Arbeitnehmerseite, Annelie Buntenbach, begründete die Entlassung der Finanz- und Personalchefin damit, dass wegen des "zerrütteten Vertrauens" der Arbeitgeberseite "keine tragfähige Grundlage für die weitere Arbeit des Vorstandes mehr gegeben" sei. Die Arbeitnehmervertreter bedauerten, dass "keine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte". Ihr Stellvertreter Peter Clever, Sprecher der Arbeitgeberseite, sprach von einem "Schlusspunkt eines leider notwendig gewordenen Konfliktes".

Nach Informationen von Insidern waren Teile des Verwaltungsrats mit der Arbeit Holsboers unzufrieden. Sie habe beim erforderlichen personellen Umbau der Bundesagentur nicht das erforderliche Tempo an den Tag gelegt. Unterstützer Holsboers bezweifeln dies. Hintergrund ihrer Abberufung seien Vorbehalte einiger gegenüber dem "frischen Wind", den sie in die Bundesagentur gebracht habe, hieß es. 

Holsboer hatte den Posten erst vor gut zwei Jahren übernommen, nominiert von den Arbeitgebervertretern. Bevor sie damals in den Vorstand einzog, saß Holsboer jahrelang für die Arbeitgeber im Verwaltungsrat.

Die sich abzeichnende Abberufung hatte eine Diskussion darüber ausgelöst, ob die Unzufriedenheit mit Holsboers Arbeit damit zu tun hat, dass sie die erste und bisher einzige Frau im Vorstand der Arbeitsagentur ist. Damit ihre Abberufung wirksam wird, muss die Bundesregierung noch bestätigen. Im drei Mitglieder großen Vorstand unter BA-Chef Detlef Scheele war Holsboer verantwortlich für 100.000 Mitarbeiter der Behörde und einen Etat von rund 35 Milliarden Euro. 

Wegen der seit Jahren rückläufigen Arbeitslosigkeit und der steigenden Beschäftigung verbucht die Behörde Überschüsse in Milliardenhöhe. In diesem Jahr wurde der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gesenkt.