Die Karte zeigt Länder mit mehr als 50 Rentenzahlungen im Jahr 2017. Alle sonstigen Länder, die hier nicht gezeigt werden, umfassen insgesamt 9.893 Zahlungen © ZEIT ONLINE

Im Alter Deutschland den Rücken kehren und in den sonnigen Süden auswandern? Dieses Modell scheint Schule zu machen, wie Daten der Deutschen Rentenversicherung Bund nahelegen. Ihnen zufolge hat sich die Zahl der Rentenzahlungen ins Ausland in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt – die meisten dieser Transfers ins Ausland gehen an Deutsche.   

2017 wurden insgesamt 238.117 Rentenzahlungen überwiesen, zwei Jahrzehnte davor waren es nur 133.503 gewesen. Die Zahl der Leistungen beinhaltet alle Renten aus dem gesetzlichen System – also neben der Altersrente auch Witwen-, Waisen- oder Erwerbsminderungsrenten. Einige Menschen beziehen allerdings auch mehreren Leistungen, zum Beispiel neben der eigenen Rente eine Witwenrente.  

Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, ist verpflichtet, die Deutsche Rentenversicherung darüber zu informieren. In der Regel wird die erworbene Rente aber weiterhin bezahlt, aktuell überweist die Deutsche Rentenversicherung in mehr als 150 Länder. 

Die meisten innereuropäischen Zahlungen an deutsche Rentner gehen in die Schweiz

Die Karte zeigt Länder mit mehr als 50 Rentenzahlungen im Jahr 2017. Alle sonstigen europäischen Länder umfassen zusammen weitere 144 Zahlungen. © ZEIT ONLINE


Immer mehr Renten gehen nach Spanien

Das Gros der Zahlungen geht in die Nachbarländer Österreich, Frankreich und die Schweiz. Das liegt daran, dass viele Deutsche aus den Grenzregionen entweder mit Menschen aus den Nachbarländern verheiratet sind oder ohnehin schon dort leben, aber zu hierzulande ansässigen Firmen gependelt sind. Hinzu kommt, dass die direkt angrenzenden Länder bislang bei jenen Deutschen, die ihre Heimat verlassen wollen, in puncto Beliebtheit ganz oben rangierten.

Doch langsam verschiebt sich das Bild. Ein Blick auf die Auslandsrentenstatistik offenbart, dass bei immer mehr ausreisewilligen Menschen hierzulande inzwischen auch andere Zielländer weit oben auf der Wunschliste stehen: So werden immer mehr Renten in die bevorzugten Urlaubsländer der Deutschen überwiesen. Wenig überraschend liegt Spanien dabei weit vorn. Die Rentenzahlungen für dort lebende Deutsche stiegen zwischen 1997 und 2017 um fast 214 Prozent an.

Aber auch nach Griechenland und Kroatien wurden deutlich mehr Rentenzahlungen überwiesen, sie legten um 180 Prozent zu. Die Zahlungen gen Italien indes stiegen um knapp 100 Prozent. Einen besonders großen Schub, wenngleich von niedrigem Niveau, verzeichnete Bulgarien: Dort lag der prozentuale Anstieg der Rentenzahlungen sogar bei mehr als 2.800 Prozent.

Rentenempfänger im Ausland: Tendenz steigend

Die Motivation, Deutschland zu verlassen, ist jedoch keineswegs immer eine hedonistische – etwa, dass man sich den Traum vom Ruhestand im sonnigen Süden erfüllen will. Auch finanzielle Zwänge können eine Rolle spielen, etwa, wenn die Alterseinkünfte kaum oder gar nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten in Deutschland zu bestreiten.

Vor allem für Frauen, die die Kinderbetreuung übernommen haben, nicht berufstätig waren und somit keine eigenen Rentenansprüche erworben haben, ist die Lage oft schwierig. Während Männer aus den westdeutschen Bundesländern im Schnitt 1.130 Euro Rente pro Monat erhalten, bekommen Frauen nur 647 Euro. In Ostdeutschland sind die Renten mit 1.226 Euro für die Männer und 962 Euro für die Frauen etwas höher: Lange Erziehungszeiten waren in der DDR nicht üblich – auch aufgrund der flächendeckenden Versorgung mit Kindertagesstätten haben die meisten in Ostdeutschland daher weniger Lücken in ihrer Erwerbsbiografie als Menschen aus Westdeutschland; und zwar Männer genauso wie Frauen. Im Gegenzug können die Ostdeutschen in der Regel nicht auf weitere Alterseinkünfte etwa aus einer Betriebsrente zurückgreifen. Solchen Zusatzrenten haben es viele Westdeutsche oft zu verdanken, dass sie trotz geringer Einkünfte im Erwerbsleben doch nicht auf Zahlungen des Sozialamts angewiesen sind.

Wer nicht das Glück hat, dazuzugehören und etwa wegen der steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten hierzulande am Existenzminimum lebt, sieht manchmal nur eine Lösung: in Länder wie Bulgarien auszuwandern, in denen man mit seinen Alterseinkünften besser über die Runden kommt.

Mit einer deutschen Durchschnittsrente gehört man dort schon zu den Wohlhabenden. Bulgarien ist eines der ärmsten Länder Europas: Das Durchschnittseinkommen liegt dort Eurostat zufolge bei weniger als 500 Euro im Monat. Der Liter Benzin kostet gerade einmal einen Euro, außerdem sind die Mieten niedrig, die Immobilienpreise ebenfalls – Lebensumstände also, die für hiesige Rentner durchaus interessante Perspektiven bieten können.