Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für den Euroraum nicht verändert. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilte der Rat der EZB mit. Bereits seit März 2016 liegt er auf diesem Rekordtief. Auch den sogenannten Einlagensatz beließ die EZB auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Damit müssen Banken weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB überschüssiges Geld parken.

Der EZB-Rat deutete in seinem Ausblick auch die Möglichkeit noch tieferer Schlüsselzinsen bis Mitte 2020 an. Laut ihrer bisherigen Prognose wollte die EZB an den Schlüsselsätzen bis dahin nichts ändern. Zudem beauftragte die Notenbank ihre Ausschüsse, alle Optionen zu prüfen, darunter Staffelzinsen sowie erneute Anleihenkäufe.

In den vergangenen Jahren nutzte die EZB Anleihekäufe, um gegen eine geringe Inflation und zu schwache Konjunktur vorzugehen. Dabei hatte die Zentralbank seit März 2015 mehr als 2,6 Billionen Euro in die Anleihen von Unternehmen und Staaten investiert, um die Finanzmärkte zu stützen. Das billionenschwere Programm war zum Ende vergangenen Jahres ausgelaufen.

Draghi will nicht IWF-Chef werden

EZB-Chef Mario Draghi hatte schon im Juni eine weitere Lockerung der Geldpolitik signalisiert, sollte die Inflation nicht anziehen. Zinssenkungen und Maßnahmen, um unerwünschte Nebenwirkungen der Negativzinsen einzudämmen, gehörten zu den Möglichkeiten.

Draghis achtjährige Amtszeit läuft im Oktober ab. Die frühere französische Finanzministerin und Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, soll seine Nachfolgerin werden. Sie war Anfang Juli von den EU-Staats- und Regierungschefs nominiert worden. Draghi will Lagarde in ihrem Amt nicht nachfolgen. Für den Chefposten des IFW stehe er "nicht zur Verfügung".

Die Märkte reagierten mit Einbußen auf den Zinsentscheid der EZB. Der Dax drehte am Donnerstag ins Minus und verlor 1,8 Prozent auf 12.299 Punkte. Der paneuropäische EuroStoxx50, der unmittelbar nach der EZB-Ankündigung noch ein 14-Monats-Hoch von 3573,57 markiert hatte, büßte 1,2 Prozent ein. "Anleger sind enttäuscht, dass es kein klareres Signal für einen Zinsschritt im September gab", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Sie hätten auf Hinweise gehofft, dass die Maßnahmen quasi bereits beschlossene Sache seien.