Im Streit um die Ausbeutung der Erdgas-Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer haben die türkischen Zyprer der international anerkannten griechisch-zypriotischen Regierung (Republik Zypern) eine Zusammenarbeit angeboten. Mustafa Akıncı, der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, schlug dem griechisch-zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades ein gemeinsames Komitee vor. Die Türkei unterstützt den Vorschlag von Akıncı.

Über einen UN-Vermittler teilte Akıncı dem Präsidenten der Republik Zypern mit, dass das Komitee die Erdgasbohrungen vor Zypern verwalten und die Erträge aufteilen solle. So solle die Zusammenarbeit gefördert werden statt Spannungen und Konflikte zu befeuern. 

Zuletzt hatte die Europäische Union Sanktionen gegen die Türkei vorbereitet, weil sie ein zweites Bohrschiff in die Gewässer Zyperns geschickt hat. Die Regierung in Nikosia sieht in den Bohrungen durch die türkischen Schiffe Verstöße gegen internationales Recht. Auch die EU, deren Mitglied Zypern ist, wertet die Bohrungen als Verstoß gegen die Souveränität der Republik Zypern und gegen das internationale Gesetz.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu warnte, dass sein Land die Bohrungen intensivieren werde, wenn die EU die Sanktionen vorantreibe. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, dass die Bohrungen fortgesetzt würden, wenn die griechisch-zypriotische Regierung in Nikosia einen Kompromissvorschlag des türkischen Nordens der geteilten Insel nicht akzeptiere.

Es geht um Milliarden und um politischen Einfluss

In dem Konflikt geht es nicht nur um Erdgas im Wert von mehreren Milliarden Euro, sondern auch um starke geopolitische Interessen und um internationales Recht. Die Türkei möchte ihre Ansprüche zur Aufteilung des Seegebiets vor Zypern durchsetzen, das sie zum Teil als ihre eigene Wirtschaftszone beansprucht. Die EU und Zypern betrachten ein Gebiet von bis zu 200 Seemeilen um die Insel als ihr Einflussgebiet.

Die Türkei entsandte zuletzt zwei Bohrschiffe in die zyprische Wirtschaftszone. Für diese hat die Regierung in Nikosia aber bereits Förderverträge mit Energiekonzernen wie ExxonMobil, Total und Eni abgeschlossen.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Griechische Putschisten wollten damals die Vereinigung von Zypern mit Griechenland durchsetzen, woraufhin die Türkei den Norden der Insel besetzte. Die später dort ausgerufene Republik Nordzypern, in der heute mehr als 35.000 türkische Soldaten stationiert sind, wird international nur von der Türkei anerkannt.

Die zyprische Regierung will etwaige Verhandlungen über Energieressourcen in übergreifende Wiedervereinigungsgespräche integrieren. Die Rechte türkischer Zyprer an den Energievorkommen der Insel würden dabei garantiert werden.