Gestoppte Öltanker, angebliche Sabotageakte, Blockadedrohung: Die Gewässer rund um die Straße von Hormus sind zum Schauplatz des Konflikts mit dem Iran geworden. Nun sollen iranische Schiffe in der Meerenge einen britischen Öltanker abgedrängt haben und die USA fordern eine internationale Militärallianz, um die Sicherheit der Schifffahrt auf dem Seeweg zu gewährleisten.

Tatsächlich ist das Gewässer aus wirtschaftlichen wie politischen Gründen wichtig. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gilt nämlich als Nadelöhr des weltweiten Ölhandels. Sie verbindet die größten Ölproduzenten wie Saudi-Arabien mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Die Staaten können auf diesem Weg Öl nach Asien, Europa und Nordamerika liefern. Etwa ein Drittel aller weltweiten Öltransporte auf dem Seeweg werden über die Straße von Hormus verschifft. Sollten die Spannungen dort also zunehmen oder es sogar zu einem Krieg zwischen Iran und den USA kommen, hätte das immense Auswirkungen auf den Energiemarkt und damit auch auf die Weltwirtschaft.

Der Iran ist sich der Bedeutung der Meerenge bewusst. In der Vergangenheit drohte das Land schon öfter, die Straße von Hormus zu sperren. Zuletzt kündigte im April ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde eine Blockade an, falls die USA sämtliche Ölexporte des Irans stoppen sollten. "Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt Hormus offen, wenn nicht, dann gibt es dafür keine Logik mehr", hatte es geheißen. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur etwa 50 Kilometer breit. Auch wenn die iranische Marine den USA militärisch nicht gewachsen ist, wäre es nicht schwer für sie, eine Durchfahrt durch Seeminen zu blockieren.

Die Spannungen in der Region hatten bereits im Mai zugenommen. Am 12. Mai meldeten die Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe vor ihrer Küste. Einen Monat später wurden zwei Öltanker im Golf von Oman attackiert, nachdem sie die Meerenge von Hormus passiert hatten. Die USA machten die Revolutionsgarden für die Vorfälle verantwortlich. Teheran bestritt jede Verwicklung. Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden dann eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormus ab. Der Vorfall brachte die beiden Länder an den Rand eines Krieges, und US-Präsident Donald Trump stoppte einen Vergeltungsangriff erst in letzter Minute.

Kaum Ausweichrouten

Die Zwischenfälle in der Region wirkten sich jedes Mal zumindest kurzfristig auf den Ölpreis aus. Eine weitere Zunahme der Spannungen dürfte den Rohstoff daher weiter verteuern. Noch sind die Ölpreise auch wegen sinkender Ölreserven in den USA nur leicht gestiegen: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt rund 67 US-Dollar (etwa 59 Euro). Weil die Meerenge aber nur schwer zu umgehen ist und Ausweichrouten für den Öltransport beschränkt sind, würde eine Blockade der Straße von Hormus den Ölpreis deutlich steigen lassen. Auch deutsche Exporte in die Region wären davon betroffen.

Unklar ist, wie sich der schwankende Ölpreis auf den Kraftstoffpreis auswirkt. Der Benzinpreis an der Tankstelle hängt nicht direkt am Ölpreis. Vertreter der Mineralwirtschaft aber warnten nach den jüngsten Spannungen bereits, wenn der Ölpreis steige, verteuerten sich auch Benzin und Diesel. In der Regel reagieren die Benzinpreise mit etwas Verzögerung auf die Ölpreisentwicklung.

Die USA haben sich dafür ausgesprochen, dass Handelsschiffe und Öltanker in der Straße von Hormus künftig vom Militär eskortiert werden. Den Plänen zufolge sollen Schiffe von der jeweiligen Marine des Landes begleitet werden, unter deren Flagge sie unterwegs sind. Der Appell richtete sich auch an Deutschland. Ob sich die Bundesregierung beteiligen wird, ist offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies zuletzt auf noch laufende Diskussionen. Der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt, bekräftigte hingegen, dass die Freiheit internationaler Seewege unverzichtbar sei. Auch Deutschland solle Überwachungsaufgaben übernehmen und "gegebenenfalls Geleitschutz gewährleisten", forderte er.

Mit Material von AFP und dpa