Die Gewässer rund um die Straße von Hormus sind zum Schauplatz eines internationalen Konflikts geworden. Auf der einen Seite steht der Iran, dessen Wirtschaft seit Wochen unter Sanktionen leidet. Auf der anderen Seite die USA und Großbritannien, die eine Blockade der Seestraße von Hormus befürchten. Es geht um die freie Seeschifffahrt, das Atomabkommen mit dem Iran und die Gefahr eines neuen Krieges in der arabischen Region. Warum entlädt sich dieser Konflikt ausgerechnet an einer kleinen Meerenge im Persischen Golf?

Tatsächlich ist das Gewässer aus wirtschaftlichen und somit auch politischen Gründen wichtig. Die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, gilt als eines der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Ölhandels. Sie verbindet den großen Ölproduzenten Saudi-Arabien über den Golf von Oman ins Arabische Meer und von dort in alle Häfen der Welt. Saudi-Arabien, Kuwait und der Iran können auf diesem Weg Öl nach Asien, Europa und Nordamerika liefern. Etwa ein Drittel aller weltweiten auf dem Seeweg transportierten Öltransporte werden über die Straße von Hormus verschifft. Sollten die Spannungen dort also zunehmen oder es sogar zum Krieg zwischen Iran und den USA kommen, hätte das immense Auswirkungen auf den Energiemarkt und damit auch auf die Weltwirtschaft.

Der Iran ist sich dieser Bedeutung bewusst. In der Vergangenheit drohte das Land mehrmals, die Straße von Hormus zu sperren. Falls die USA sämtliche Ölexporte des Irans stoppen sollten, wird Iran die Meerenge blockieren, kündigte ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde an: "Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt Hormus offen, wenn nicht, dann gibt es dafür keine Logik mehr." Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur etwa 50 Kilometer breit. Auch wenn die iranische Marine den USA militärisch nicht gewachsen ist, wäre es deshalb nicht schwer für sie, eine Durchfahrt durch Seeminen zu blockieren.

Die Spannungen in der Region hatten bereits im Mai zugenommen. Am 12. Mai meldeten die Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe vor ihrer Küste. Einen Monat später wurden zwei Öltanker im Golf von Oman attackiert, nachdem sie die Meerenge von Hormus passiert hatten. Die USA machten die Revolutionsgarden für die Vorfälle verantwortlich. Teheran bestritt jede Verwicklung. Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden dann eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormus ab. Der Vorfall brachte die beiden Länder an den Rand eines Krieges. US-Präsident Donald Trump stoppte einen Vergeltungsangriff erst in letzter Minute. Jetzt ist durch den Iran wieder ein britisches Schiff bei der Durchfahrt der Seestraße behindert worden. Die USA reagierten mit der Ankündigung, verstärkt Aufklärungsflugzeuge einsetzen zu wollen und neue Soldaten in Saudi Arabien zu stationieren. Großbritannien warnte all seine Schiffe vor der Durchfahrt der Meerenge.

Kaum Ausweichrouten

Die Zwischenfälle in der Region wirkten sich jedes Mal auf den Ölpreis aus. Eine weitere Zunahme der Spannungen dürfte den Rohstoff daher weiter verteuern. Noch sind die Ölpreise auch wegen sinkender Ölreserven in den USA nur leicht gestiegen. Weil die Meerenge aber nur schwer zu umgehen ist und Ausweichrouten für den Öltransport beschränkt sind, würde eine Blockade der Straße von Hormus den Ölpreis deutlich steigen lassen. Auch deutsche Exporte in die Region wären davon betroffen.

Unklar ist, wie sich der schwankende Ölpreis auf den Kraftstoffpreis auswirkt. Der Benzinpreis an der Tankstelle hängt nicht direkt am Ölpreis. Vertreter der Mineralwirtschaft aber warnten nach den Spannungen bereits, wenn der Ölpreis steige, verteuerten sich mittelfristig auch Benzin und Diesel. In der Regel reagieren die Benzinpreise mit etwas Verzögerung auf die Ölpreisentwicklung.

Die USA haben sich dafür ausgesprochen, dass Handelsschiffe und Öltanker in der Straße von Hormus künftig vom Militär eskortiert werden. Den Plänen zufolge sollen Schiffe von der jeweiligen Marine des Landes begleitet werden, unter deren Flagge sie unterwegs sind. Der Appell richtete sich auch an Deutschland. Ob sich die Bundesregierung beteiligen wird, ist offen. Der außenpolitische Sprecher der Union Jürgen Hardt bekräftigte hingegen, dass die Freiheit internationaler Seewege unverzichtbar sei. Auch Deutschland solle Überwachungsaufgaben übernehmen und "gegebenenfalls Geleitschutz gewährleisten", forderte er.

Mit Material von AFP und dpa