Die Jugendarbeitslosigkeit war 2018 so niedrig wie noch nie nach der Wiedervereinigung: In der gesamten Bundesrepublik beträgt die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren 6,2 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Allerdings existieren immer noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Junge Menschen im Osten sind nach wie vor häufiger erwerbslos oder es fällt ihnen schwerer, eine Ausbildungsstelle zu finden – hier beträgt die Arbeitslosenquote der bis zu 24-Jährigen 8,6 Prozent. Im Westen dagegen liegt die Zahl bei nur 5,8 Prozent.

Die gesamte Arbeitslosenquote für Deutschland betrug Ende Juli 5 Prozent.

Jugendliche und junge Erwachsene sind in der Regel häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen über 25 Jahren. Das mag erstaunen, immerhin sind doch junge Menschen besonders gefragt auf dem Arbeitsmarkt – allerdings erst mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einigen Jahren an Berufserfahrung, was oft erst ab einem Alter über 25 Jahren der Fall ist. Jugendliche werden auch deshalb häufiger arbeitslos, weil sie oft am ehesten von Kündigungen, befristeten Verträgen oder kurzzeitiger Beschäftigung zum Berufseinstieg betroffen sind. Ein weiterer Grund ist, dass sie in ihrer Berufswahl noch nicht so festgelegt sind. Gut jede Vierte und jeder Vierte bricht dem Berufsbildungsbericht zufolge seine Ausbildung vorzeitig ab. Das heißt zwar nicht zwangsläufig, dass der oder die Betroffene dauerhaft arbeitslos bleibt – aber meist vergehen einige Monate, bis ein neues Ausbildungs- oder Schuljahr startet. In dieser Zeit werden die Jugendlichen insofern als erwerbslos registriert. Und dann gibt es noch jene, die gar nicht ins Berufsleben finden.

Sieht man sich die Daten für Europa an, stellt man fest: In den vergangenen 20 Jahren lag die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen in Europa nie unter 15 Prozent. Besonders schlimm ist die Situation der jungen Erwachsenen nach wie vor im Süden und Osten Europas, zeigen Daten von Eurostat. In Griechenland waren im Juni fast 40 Prozent der Menschen bis 24 Jahren ohne Job, in Spanien mehr als 32 Prozent, in Italien mehr als 28 Prozent. Aber auch in Frankreich liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 20 Prozent. 

Dass die Situation hierzulande so positiv ist, hat nicht nur etwas mit dem robusten deutschen Arbeitsmarkt zu tun, sondern auch etwas mit dem deutschen Berufsbildungssystem. Zum einen machen immer mehr junge Menschen das Abitur oder ein Fachabitur. Das führt dazu, dass viele Jugendliche ohnehin erst einmal länger zur Schule gehen. Mit dem Anstieg der Abiturientinnen und Abiturienten nimmt auch die Zahl der Studierenden zu. Im Wintersemester 2017/2018 gab es rund 2,5 Millionen deutsche Studierende an den Hochschulen, damit erreichte die Studierendenzahl einen neuen Rekord.

Viele Lehrstellen sind noch unbesetzt

Zum anderen funktioniert der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik recht gut. Ein Ziel der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ist es, allen interessierten Jugendlichen einen Ausbildungsplatz vor Ort anbieten zu können. Das wird seit Jahren in der Regel auch erfüllt, wenngleich es natürlich regionale Unterschiede gibt. Hinzu kommt nun der demografische Wandel: Insgesamt gibt es heute weniger Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 24 Jahren als noch 1991. Direkt nach der Wiedervereinigung gab es 10,3 Millionen Menschen in dieser Alterskohorte, heute sind es 1,7 Millionen weniger. Das trägt natürlich auch zur Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt bei. Zu Beginn des Lehrjahres – viele Ausbildungen beginnen zum 1. August oder 1. September – sind in diesem Jahr noch viele Stellen unbesetzt.

Allein im Handwerk gibt es noch gut 30.000 unbesetzte Ausbildungsstellen, teilt der Zentralverband des Deutschen Handwerks mit. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Juli in der ganzen Bundesrepublik noch 207.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. 2019 wurden insgesamt 543.000 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 11.000 mehr als im Vorjahr. Um die Lücke an Bewerberinnen und Bewerbern zu decken, greifen die deutschen Unternehmen immer häufiger auch auf Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Ausland zurück. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) haben rund 40 Prozent der Ausbildungsbetriebe bereits Arbeitskräfte aus anderen Ländern ausgebildet. Viele Firmen warben junge Menschen nicht nur aus der EU, sondern auch aus aller Welt an. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen dabei Geflüchtete. Gut 15 Prozent der Ausbildungsbetriebe gaben in der DIHK-Umfrage an, dass sie auch junge Menschen zum Beispiel aus Syrien ausbilden.

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte diese Daten anlässlich des Tags der Jugend am 12. August.