Mehr als 112.000 Familien haben das Baukindergeld beantragt, seit die staatliche Förderung im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Familien und Alleinerziehende mit Kindern, die ein Haus bauen oder eine Immobilie kaufen, können sich um den Zuschuss bewerben. Anders als oft kritisiert erreichte das Baukindergeld tatsächlich viele Familien mit geringen Einkommen und kleinen Kindern. Das zeigt eine Auswertung des Innenministeriums, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Rund 43.000 Familien haben demnach bis Ende Juni bereits das erste Geld oder eine Auszahlungsbestätigung bekommen. Die KfW-Bankengruppe, die dafür zuständig ist, arbeitet noch die Gesuche ab.

Rund 60 Prozent der bisherigen 43.000 Baukindergeld-Empfänger hätten vor Steuern ein Haushaltseinkommen von maximal 40.000 Euro, rund 40 Prozent sogar nicht mehr als 30.000 Euro gehabt, meldete das Innenministerium. Außerdem erreiche die Förderung vorrangig junge Familien mit kleinen Kindern. Jede dritte Familie habe Kinder unter zwei Jahren, zwei Drittel der Familien Kinder im Vorschulalter. Damit werden die Befürchtungen der Opposition und von Verbänden widerlegt, das Baukindergeld helfe hauptsächlich Familien aus den oberen Einkommensgruppen, die sich ohnehin ein Eigenheim leisten könnten.

Das Baukindergeld ähnelt der früheren Eigenheimzulage. Seit dem vergangenen Jahr können Eltern, die ein Haus bauen oder eine Immobilie kaufen, einen staatlichen Zuschuss von 1.200 Euro je Kind – also 12.000 Euro insgesamt – beantragen. Bei mehr Kindern gibt es entsprechend mehr Geld. Familien und Alleinerziehende mit einem zu versteuerndem Haushaltseinkommen unter 90.000 Euro im Jahr können den Zuschuss beantragen. Bei größeren Familien liegt die Grenze höher. Die Antragsteller müssen bis zum 31. Dezember 2020 eine Baugenehmigung bekommen oder einen Kaufvertrag unterschrieben haben. Sie müssen selbst mit den Kindern in dem Haus oder der Wohnung wohnen. Außerdem dürfen sie die Immobilie nicht von direkten Verwandten kaufen und können den Zuschuss nur einmal beantragen.

Die Bundesregierung hat über drei Jahre fast zehn Milliarden Euro für das Baukindergeld vorgesehen. Bis Ende Juni waren nach Zahlen der KfW-Bankengruppe bereits rund 2,33 Milliarden Euro verplant. Wenn das Geld aufgebraucht ist, kommt vom Bund nach bisherigen Plänen nichts nach. Die meisten Anträge bis Ende Juni kamen nach KfW-Angaben aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und aus Bayern – die wenigsten aus den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen sowie aus dem Saarland.