Die britische Wirtschaftsleistung ist laut der nationalen Statistikbehörde ONS im zweiten Quartal um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Es war der erste Rückgang seit dem vierten Quartal 2012. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einer Stagnation gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft noch um 0,5 Prozent gewachsen.

Insbesondere die Unsicherheiten durch den Brexit haben laut den Statistikern das Wirtschaftswachstum belastet. Demnach hatten viele Unternehmen vor dem ursprünglich geplanten Austrittsdatum am 29. März ihre Lagerbestände aufgebaut und sie dann im zweiten Quartal wieder abgebaut. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ging im zweiten Quartal um 2,3 Prozent zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit dem Jahr 2009.

Seitdem Boris Johnson zum Premierminister gewählt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Abkommen mit der Europäischen Union am 31. Oktober gestiegen. Laut Ökonominnen und Ökonomen dürfte diese hohe Unsicherheit Investitionen belasten. Allerdings ist eine Mehrheit für einen No-Deal-Brexit im britischen Parlament nicht sicher. Johnson will den mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag noch einmal aufschnüren, was die EU aber ablehnt.

Die Briten hatten in einem Referendum im Juni 2016 den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union beschlossen. Ursprünglich war ein Austritt zum 29. März dieses Jahres geplant. Allerdings konnte sich das britische Parlament nicht auf einen Ausstiegsvertrag mit der EU einigen. Deshalb wurde der Austritt um gut ein halbes Jahr auf Ende Oktober verschoben.