Beim Verdienst von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt es in Deutschland weiterhin große regionale Unterschiede. Dies zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit, die die Linksfraktion im Bundestag ausgewertet hat.

Demnach liegen die 60 Landkreise und Städte mit den niedrigsten Einkommen in Ostdeutschland. Am wenigsten verdienen Vollzeitbeschäftigte mit durchschnittlich 2.272 Euro brutto im sächsischen Landkreis Görlitz. Knapp davor lagen der Erzgebirgskreis mit 2.301 Euro Bruttoeinkommen, Vorpommern-Rügen mit 2.303 Euro, sowie das Altenburger Land in Thüringen, wo sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Durchschnitt 2.308 Euro verdienen.

An der Spitze der Auswertung liegt das bayerische Ingolstadt, wo Beschäftigte im Durchschnitt 4.897 Euro verdienen. Knapp dahinter kommen Wolfsburg mit 4.893 Euro Bruttoverdienst, Erlangen mit 4.787 Euro, sowie Böblingen in Baden-Württemberg, wo der Durchschnittsverdienst bei 4.743 Euro liegt.

In der Statistik werden keine Gründe für die Unterschiede zwischen Ost und West genannt, allerdings verweist der aktuelle Bericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit unter anderem darauf, dass fast keine Großunternehmen ihren Sitz in Ostdeutschland haben. Dass gerade Ingolstadt und Wolfsburg an der Einkommensspitze stehen, dürfte daran liegen, dass sie Sitz der Autokonzerne Audi beziehungsweise Volkswagen sind.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann sagte zu den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, dass es beschämend sei, dass es in Ostdeutschland flächendeckend geringere Einkommen gebe. Aber auch im Westen existierten ihr zufolge abgehängte Regionen. Laut Zimmermann sei eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde sowie eine Abschaffung der Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit nötig.

AfD fordert Sondergipfel für Ostdeutschland

Nicht nur von der Linken, sondern auch von der AfD wurden die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Hierbei ergab sich, dass in Westdeutschland das mittlere Einkommen seit 2017 um 2,85 Prozent von 3.339 Euro auf 3.434 Euro im vergangenen Jahr gestiegen ist. In Ostdeutschland war der Lohnanstieg mit 4,88 Prozent zwar höher, allerdings liegt dort der mittlere Verdienst mit 2.707 Euro noch deutlich niedriger als im Westen.

Bei den Bundesländern mit dem höchsten mittleren Einkommen liegt Hamburg mit 3.718 Euro vorne. Am Ende steht Mecklenburg-Vorpommern, wo Arbeitnehmerinnen im Mittel 2.496 Euro erhalten. Während in Hamburg nur 40 Prozent der Beschäftigten weniger als das bundesweite Mittel von 3.404 Euro verdienen, sind es in Mecklenburg-Vorpommern 73 Prozent.

AfD-Arbeitsmarktpolitiker René Springer sagte im Hinblick auf die Zahlen, dass der Aufbau Ost zum Stillstand gekommen sei und einen Neustart benötige. Er forderte, dass die Bundesregierung einen parteiübergreifenden Sondergipfel für Wirtschaft, Wachstum und soziale Sicherheit in Ostdeutschland einberufen soll.