Eine Fleischsteuer? Mehr Geld für Bratwurst und Schnitzel? Noch vor ein, zwei Jahren hätte so eine Forderung ein hitziges Sommertheater à la Veggieday ausgelöst. Im großen Erregungswettbewerb hätten Politiker und Medienkommentatoren die Preiserhöhung als Vorboten einer Ökodiktatur beschimpft, die Genuss geißelt wie einst der gestrenge Bußprediger Savonarola; als kalkulierte Provokation einiger Hinterbänkler, die nur die Medienflaute nutzen wollten, um auch mal ein bisschen Aufmerksamkeit abzukriegen.

Doch die Tonlage hat sich geändert. Nur wenige Stimmen bemäkeln die mögliche Fleischsteuer noch immer reflexhaft wie in der Welt als "Öko-Gängelei". Die meisten Kommentatoren klopfen die mögliche Verteuerung bemerkenswert ernsthaft darauf ab, ob sie ihr Ziel auch erreicht. Offenbar hat sich der Konsens verschoben und die Überzeugung festigt sich: Zu viel Billigfleisch schadet Klima, Wasser und Artenvielfalt und bringt mit sich, dass Tiere leiden. Wer das ändern will, der muss für den Wandel bezahlen – auch wenn das bedeuten kann, Fleisch seltener zu essen, denn Werte fordern ihren Preis. Dafür muss auch der Staat sorgen, weil der Konsument allein damit überfordert ist.

Der Tabubruch einer Preiserhöhung ist also keiner mehr. Aber wäre eine Steuer auf Gulasch und Leberkäs denn auch richtig? Die Antwort lautet: Ja – auch wenn sie unperfekt ist und Teil einer größeren Anstrengung sein muss.

Symbole, die wirken

Worum geht es? Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, hatte vor ein paar Tagen gefordert, eine Abgabe auf Fleisch- und Milchprodukte zu erheben. Mit den zusätzlichen Einnahmen sollten Landwirte bei dem oft sehr teuren Unterfangen unterstützt werden, ihre Stallbauten zu verbessern und auch sonst mehr für das Wohl ihrer Tiere zu tun.

Damit griff Schröder einen Vorschlag auf, den ein Kompetenzkreis des Bundesagrarministeriums, sein wissenschaftlicher Beirat und das Umweltbundesamt schon mehrfach ins Spiel gebracht haben. Nun zeigten sich dafür auch Agrarpolitiker aus dem Bundestag aufgeschlossen, bis hinein in die CDU-Fraktion. Der SPD-Politiker Rainer Spiering schlägt vor, die Mehrwertsteuer bei Fleischprodukten nicht länger mit sieben Prozent zu begünstigen, wie es für Grundnahrungsmittel üblich ist, sondern sie auf den allgemeinen Satz von 19 Prozent zu erhöhen, und der Grünenpolitiker Friedrich Ostendorff verweist auf die ökologisch kontraproduktive Regel, die den Staat bei veganer Hafermilch zwölf Prozentpunkte mehr Steuer fordern lässt als bei der Landleberwurst.

Eilig kritisierte zwar der EU-Kommissar Günther Oettinger eine entsprechende Angleichung als nationale "Symbolpolitik". Doch Ostendorffs Vorschlag ist schon deshalb berechtigt, weil Symbole in der Politik – ganz im Gegenteil zu dem, was Oettingers Äußerungen suggerieren – enorm wichtig sind. Sie erhöhen die Glaubwürdigkeit, wenn Werte und Praxis nicht mehr zueinanderpassen. Außerdem kämen bei so einer Steuererhöhung immerhin geschätzte vier bis fünf Milliarden Euro im Jahr für mehr Tierwohl zusammen. Das entspräche fast der Summe, die der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik als Voraussetzung für einen umfassenden Wandel in der Nutztierhaltung beziffert hat. Mit dem Geld kann man also etwas anfangen.

Zu geringe Preiserhöhung

Die Steuerbefürworter aus dem Agrarausschuss bekamen freilich noch mehr Gegenwind, und zwar teils mit Argumenten, die es tatsächlich zu bedenken gilt. Beispielsweise müsste eine Ausnahme für Biofleisch gewährleistet werden. Das ist ohnehin schon drastisch teurer als konventionell erzeugtes, und durch eine Mehrwertsteuererhöhung würde sein Preis noch stärker steigen als der des Billigfleischs. So würde absurderweise der bessere Umgang mit Pflanzen, Ressourcen und Tieren zusätzlich bestraft.

Würde nur die Mehrwertsteuer angepasst wie vorgeschlagen, wären die Preiserhöhungen außerdem wohl zu gering, um den Fleischkonsum spürbar zu senken. 1,64 Euro statt 1,49 für die Bratwurst: Die paar Cent machen für die Mehrheit der Verbraucher keinen allzu großen Unterschied. Überdies ist keine Zweckbindung vorgesehen. Daher wäre unsicher, ob die zusätzlichen Mittel tatsächlich wie beabsichtigt in den Tierschutz fließen. Direkte Abgaben aufs Fleisch wären da günstiger.