Manchmal reichen zwei kleine Meldungen, um einen nach einem medienabstinenten Sommerurlaub wieder in diese "Ja-haben-die-sie-denn-noch-alle"-Stimmung zu versetzen.

Nein, ich meine jetzt nicht die Nachricht, dass Donald Trump gern Grönland kaufen will, die Dänen das doof finden und der amerikanische Präsident deswegen seinen Staatsbesuch beleidigt absagt. Über die Kategorie von Blödsinn kann man ja wenigsten noch lachen.

Nicht zum Lachen ist hingegen, wenn unsere Politiker, an die wir irgendwie doch noch höhere Maßstäbe legen, scheinbar gute Nachrichten produzieren  – die sich dann aber, beim genaueren Lesen, als geschickt inszenierte Hinhaltetaktik entpuppen –, auf die leider viele Journalisten hereingefallen sind. In dieser Woche schaffen das (mal wieder) Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Verkehrsminister Andreas Scheuer. Erstere ist Mitglied der CDU und wird nicht müde, die Bewahrung der Schöpfung zu fordern und dass man auch mal die "verschrumpelten Äpfel" essen solle. Letzterer gehört zur CSU und damit einer Partei, deren Chef Markus Söder seit einigen Wochen wöchentlich mehr Naturschutz fordert: Plastikverbot, Bienenschutz, Kohleausstieg und sogar mehr Umweltschutz ins Grundgesetz hat er sich bereits gewünscht und man würde ihm die neue Empathie für die Natur so gerne glauben. Schon, damit die CSU gemeinsam mit der CDU den Grünen mal wirklich Dampf macht.

Nur, dann hört man in dieser Woche, dass Verkehrsminister Scheuer auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig nicht nur nichts über ein nationales Flugverbot sagt, über Steuern auf Kerosin oder darüber, dass nicht immer mehr, sondern schnell weniger geflogen wird. Nein, der Minister erwägt zwar eine höhere Flugverkehrssteuer (so wie andere "erwägen", morgens mal Müsli zu essen). Konkret aber wird er nur, wenn es um das Gegenteil geht. Statt den klimaschädlichsten aller Verkehrsträger höher zu belasten, will er das Fliegen im Gegenteil noch stärker subventionieren. Scheuer will, dass Steuergeld für deren Umstellung auf umweltfreundlichere Kraftstoffe fließt. Der Minister will also die lang verpennte Modernisierung der Flugbranche nun mit noch mehr Geld aus dem Staatshaushalt belohnen – also aus dem Haushalt, aus dem bald wahrscheinlich auch Schadensersatz für sein Mautdesaster bezahlt werden muss.

Wann war die CSU noch mal eine sparsame Partei?

Auch bei der von Julia Klöckner produzierten Meldung geht es ums Geld und um die Natur. Die Ministerin hat es schon in der Vergangenheit nicht geschafft, gegen die Bauernlobby schärfere Düngemittelregeln durchzusetzen. Nun drohen Deutschland deswegen hohe Strafzahlungen an Brüssel, da Düngesalze im Grundwasser der Natur und dem Menschen schaden. Die Geduld der EU-Kommission ist nun zu Ende und deswegen muss Klöckner irgendetwas tun. Also hat sie einen Plan für den Trinkwasserschutz geschrieben und das auch den Medien verkünden lassen. Nur, auch dieser Plan ist so zahnlos, dass Wasserwerker schon jetzt warnen: "Auch die heute diskutierten Zeitpläne und Maßnahmen reichen nicht aus, um die Nitrateinträge nachhaltig zu reduzieren." Die Wasserwerke müssen wegen des Schadstoffs immer teurere Filteranlagen einbauen – was wiederum die Kosten für das Trinkwasser erhöht.

Wann war die CDU mal eine Partei, die nicht unnötig Geld der Steuerzahler ausgeben will?

Würden Scheuer und Klöckner diese Politik machen, wenn sie persönlich aufkommen müssten – für den Schaden an der Natur und die Kosten, die sie durch ihr Nichthandeln verursachen? Natürlich gibt es gute Gründe dafür, dass das nicht passiert. Solange sie sich nicht strafbar machen, werden Minister nicht persönlich zur Rechenschaft gezogen – weder für den Schaden, den sie der Natur zufügen, noch für die Lasten, die sie dem Steuerzahler aufbürden. Ihre Höchststrafe ist die Abwahl. Das Ärgerliche ist nur: Das Versagen von Landwirtschafts- und Verkehrsminister (es gäbe dafür noch viele weitere Bespiele) galt bisher nie als so wichtig, dass Wähler deswegen gleich deren Parteien ihre Stimme versagen. Dieser Tage, so zeigen immer neuere Umfragen, ändern sich die Prioritäten der Wähler. Umwelt und Klimaschutz werden vielen immer wichtiger. Doch ob das irgendwann mal wahlentscheidend sein wird?

Ein bisschen träumen darf man doch – wenn der letzte Urlaub noch nicht lange vorbei ist, oder?