Wer als Single mehr als 3.440 Euro netto im Monat zu Verfügung hat, gehört zur Oberschicht. So definieren Ökonomen die einkommensstärksten zehn Prozent der Gesellschaft. Kinderlose Paare zählen ab einem gemeinsamen Haushaltseinkommen von 5.160 Euro netto im Monat zur Oberschicht. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor.

Der Unterschied beim Paarhaushalt ergibt sich durch den Einspareffekt, denn viele Kosten eines Singlehaushaltes fallen für Paare nur einmal und nicht doppelt an, Telefon- und Internetanschluss beispielsweise.

Für die Studie hatten die Forscherinnen und Forscher des arbeitgebernahen IW Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Das sogenannte bedarfsgewichtete mittlere Durchschnittseinkommen 2016 (auch bedarfsgewichtete Medianeinkommen genannt) betrug demnach 1.869 Euro netto im Monat. Das heißt: Die Hälfte der Bevölkerung hatte mehr als diese Summe, die andere Hälfte aber weniger zur Verfügung. Das bedarfsgewichtete Einkommen berücksichtigt verschiedene Faktoren wie etwa, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf haben als Erwachsene, Paare und Familien aber einen größeren Bedarf an Wohnraum und Ähnliches.

Auffällig ist, wie stark sich die Lebenssituation auf das Armutsrisiko auswirkt: 75 Prozent der Alleinerziehenden haben der Studie zufolge weniger als das bedarfsgewichtete Medianeinkommen. Auch 60 Prozent der Alleinlebenden sind ärmer. Dagegen haben 64 Prozent der kinderlosen Paare mehr als diese Summe im Monat zur Verfügung. 

Für die Alleinerziehenden zeigt sich noch ein anderer Effekt: Das mittlere Einkommen der Alleinerziehenden liegt bei 1.309 Euro netto im Monat. Mit dieser Summe zählt man zum einkommensärmsten Viertel der Bevölkerung.

Menschen mit Hochschulabschluss haben im Schnitt 2.541 Euro

Das Durchschnittseinkommen von Akademikerinnen und Akademikern liegt demnach bei 2.541 Euro für Alleinlebende. Drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland haben weniger als diese Summe im Monat zu Verfügung.

Interessant ist darüber hinaus die Selbsteinschätzung der meisten Menschen, die statistisch zur Oberschicht gehören. Die Studienautorinnen und Studienautoren verglichen die Daten mit den Ergebnissen früherer Umfragen und stellten fest: Die Mehrheit der Wohlhabenden sortiert sich selbst eher zur Mittelschicht, allenfalls zur oberen Mittelschicht. Aber kaum jemand sieht sich selbst zur Oberschicht zugehörig. Woran das liegt, darauf findet die Studie keine Antworten.

Möglicherweise hat das etwas mit den Stereotypen und Vorurteilen von Oberschicht und Reichtum zu tun – aber auch etwa damit, dass sich die Einkommensspanne für die Oberschicht weit zieht. Sehr wenige Personen in Deutschland haben ein monatliches Einkommen etwa durch Kapitaleinkünfte, das weit über den statistischen Werten liegt. Medienberichte über Spitzenmanager wie den früheren Daimler-Chef Dieter Zetsche, der eine Rente von mehr als 4.250 Euro pro Tag ab 2020 bekommen soll, prägen offenbar die Vorstellung vieler Menschen von der Oberschicht. Manche könnten daher denken, dass man erst ab einem Monatseinkommen von mehreren Zehntausend Euro wirklich zur Oberschicht zählt.