Die ehemals ewige Eismasse der Arktis schrumpft. Die Region erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. In wenigen Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahren, könnte der arktische Ozean im Sommer eisfrei sein. Mit der sinkenden Eisbedeckung steigen die Begehrlichkeiten: Im Nordpolarmeer verbergen sich bislang unerreichbare Fischgründe, vor allem aber Rohstoffe. Nach manchen Schätzungen liegen mehr als 30 Prozent der unentdeckten fossilen Brennstoffe wie Erdöl und -gas nördlich des Polarkreises. Stimmt das, geht es um viele Billionen Euro.

Fünf Staaten, die arktischen Anrainer, haben allein schon wegen ihrer geografischen Lage Interessen und Ansprüche auf arktisches Meeresgebiet: Russland, die USA mit Alaska, Kanada, Dänemark mit Grönland, und Norwegen.

Durch das EU-Mitglied Dänemark rückt auch Deutschland in Arktisnähe. Außerdem ist die Bundesregierung als Beobachter im Arktischen Rat, einem Gremium, das die Sicherheit und den Klimaschutz in der Arktis fördern soll. Die Arktis ist also auch für Deutschland Thema. Das Bundeskabinett hat deswegen an diesem Mittwoch die Leitlinien deutscher Arktispolitik beschlossen, einen Katalog von Forderungen und Versprechen. Ein Entwurf des Dokuments liegt ZEIT ONLINE vor.

Die arktischen Anrainerstaaten

Fünf Länder reihen sich um das Nordpolarmeer: Die größte Fläche nimmt Russland ein. Außerdem grenzen die USA über den Bundesstaat Alaska an den Arktischen Ozean sowie Kanada, Norwegen mit der Inselgruppe Spitzbergen, und Grönland, das zu Dänemark gehört.

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Unter der Federführung des Auswärtigen Amtes haben sieben weitere Ressorts ihre Themen dazu beigetragen: Umwelt, Verteidigung, Wirtschaft, Verkehr, Forschung, Ernährung und Landwirtschaft sowie das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 2013 hatte das Außenministerium schon einmal Arktisleitlinien veröffentlicht. Nach nur sechs Jahren wurde eine Neuauflage notwendig. Warum?

"Der Duktus ist ein anderer"

Die Version aus dem Jahr 2013 trägt den Untertitel "Verantwortung übernehmen, Chancen nutzen". Die neuen Leitlinien sind mit der Zeile überschrieben: "Verantwortung übernehmen, Vertrauen schaffen, Zukunft gestalten". Es geht nicht mehr darum, wirtschaftliche Möglichkeiten restlos auszuschöpfen. Es geht um die Zukunft.

Die vor allem wirtschaftlichen Chancen, die vor sechs Jahren noch vielversprechend schienen, werden mittlerweile als Gefahren für andere Bereiche erkannt. Der Fokus der Bundesregierung hat sich verschoben: "Die neuen Leitlinien haben eine andere Konnotation", sagte dazu ein Vertreter des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Der Duktus ist ein anderer" – ein dringlicherer.