Um ihre Kassen zu füllen, haben auch im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Städte und Gemeinden in Deutschland die Grund- und Gewerbesteuern erhöht. Allerdings sind es nicht mehr so viele wie in den Vorjahren. Je nach Region sind die Erhöhungen auch unterschiedlich hoch, wie aus einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) hervorgeht. EY hat im Zeitraum 2005 bis 2018 Daten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet.

Während etwa im Saarland mehr als jede zweite Kommune 2018 die Grundsteuer heraufsetzte, war es in Bayern nicht einmal jede 20. Die Gewerbesteuer erhöhten fast 40 Prozent der Kommunen im Saarland, in Bayern dagegen nur gut drei Prozent. 

Deutschlandweit ging die Grundsteuer laut Studie 2018 in knapp elf Prozent der Städte und Gemeinden hinauf, die Gewerbesteuer in gut acht Prozent. Gesenkt wurden beide nur in 0,5 Prozent aller Kommunen. 



Grund- und Gewerbesteuer sind ganz wesentliche Einnahmequellen für Städte und Gemeinden und können von ihnen selbst über die sogenannten Hebesätze festgelegt werden. Unternehmen müssen Gewerbesteuer zahlen – ihre Höhe gilt auch als ein wichtiger Standortfaktor. Die Grundsteuer – in diesem Fall die Grundsteuer B – wird auf bebaute und bebaubare Grundstücke erhoben und von den Eigentümern bezahlt oder auf die Mieter umgelegt. Wie sie künftig berechnet wird, muss nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber neu geregelt werden. 



Mehr als jede zweite Kommune hat in den vergangenen Jahren die Grundsteuer erhöht. Bundesweit setzten 58 Prozent den Hebesatz herauf. Er lag 2018 bei durchschnittlich 378 Punkten, während er 2013 noch 351 Punkte betragen hatte. Die Bandbreite ist jedoch nach wie vor sehr groß. Sie reicht bei der Grundsteuer von einem Hebesatz von 0 in diversen Gemeinden bis zu 1.050 im hessischen Lautertal im Odenwald. Das höchste Steuerniveau hat laut Studie weiterhin Nordrhein-Westfalen. Die im Schnitt niedrigsten Grundsteuern hat Schleswig-Holstein.

Steuererhöhungen waren seltener nötig

Unternehmen dagegen zahlen durchschnittlich in Brandenburg am wenigsten. 

Der Anteil der Kommunen, die ihre Hebesätze erhöhen, geht seit einigen Jahren stetig zurück, und zwar bei beiden Steuerarten. "Die gute Konjunktur hat in den vergangenen Jahren zu einer finanziellen Entlastung der Kommunen und zu sinkenden Schulden geführt", sagt EY-Experte Bernhard Lorentz. "Damit nahm der Handlungsdruck bei einigen Kommunen ab, Steuererhöhungen wurden seltener nötig." 

Verhältnismäßig viele Grundsteuererhöhungen gab es 2018 außer im Saarland auch in Mecklenburg-Vorpommern (30 Prozent) und Niedersachsen (19), eher wenige dagegen außer in Bayern auch in Thüringen (5) und Baden-Württemberg (8).

Bei der Gewerbesteuer standen hinter dem Saarland ebenfalls Mecklenburg-Vorpommern (23 Prozent) und Niedersachsen (18) ganz oben, am anderen Ende der Skala reihten sich knapp über Bayern Brandenburg (3) und erneut Baden-Württemberg (5) ein. 

Für die Kommunen, die sich nicht anders zu helfen wüssten, sei die Erhöhung der Steuern ein zweischneidiges Schwert, sagte Lorentz. "Vielen hochverschuldeten Kommunen in strukturschwachen Regionen blieb in den vergangenen Jahren gar nichts anderes übrig, als zum Teil massiv an der Steuerschraube zu drehen, um überhaupt die Chance auf einen ausgeglichenen Haushalt zu haben", sagte er. "Allerdings sank damit auch die Attraktivität der Kommune für Bürger und Unternehmen."