Auch als Rentner oder Rentnerin immer weiterarbeiten: Noch nie gab es so viele Menschen, die nach Renteneintritt weiterhin erwerbstätig sind. Das stellt das Arbeitsministerium fest. 2018 gingen 1,445 Millionen auch im Ruhestand einer Beschäftigung nach. Das waren acht Prozent der Rentnerinnen und Rentner. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der arbeitenden Rentnerinnen und Rentner damit verdoppelt.

Besonders eingebunden sind vor allem diejenigen, die erst seit Kurzem in Rente sind: Bei den 65- bis 69-Jährigen haben 17 Prozent noch einen Job.

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat nun analysiert, wie sich die Erwerbsbeteiligung der Rentnerinnen und Rentner bis Ende 2018 entwickelt hat, und sucht Antworten auf die Frage, warum die Menschen nicht einfach ihren Ruhestand genießen. Für die Analyse wurden nur Personen, die eine gesetzliche Rente erhalten, betrachtet.

Der Untersuchung zufolge wollen viele nach Erreichen der Altersrente tatsächlich noch nicht ganz aufhören – aber viele wollen lieber Teilzeit oder nur wenige Stunden arbeiten. 2018 war die Hälfte der arbeitenden Seniorinnen und Senioren geringfügig beschäftigt, jeweils etwa ein Viertel arbeitet sozialversicherungspflichtig oder selbstständig. Besonders oft haben Senioren einen Minijob. Unter allen Minijobbern sind Rentnerinnen und Rentner mittlerweile die größte Gruppe. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Seniorenminijobber neben Studierenden für die Firmen aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen am günstigsten sind.

Dennoch steigt auch der Anteil der in Vollzeit beschäftigten Rentner oder Rentnerinnen. Es sind meist Akademikerinnen und Akademiker, deren Jobs nicht körperlich anstrengend sind. Die Hochqualifizierten und spezialisierten Fachkräfte werden der Studie zufolge immer öfter von ihren Arbeitgebern mit großzügigen Angeboten gehalten. Schon 2017 hatte eine andere IAB-Untersuchung gezeigt, dass jeder vierte Betrieb in Deutschland gern Fachkräfte im Rentenalter weiterbeschäftigen will, weil Nachwuchs schwer zu finden ist und andernfalls wichtiges Know-how verloren gehen würde. Bei der Deutschen Bahn etwa gibt es seit einiger Zeit das Programm "Senior Expert". Derzeit sind rund 500 Bahnmitarbeiter trotz Rente weiter für den Konzern tätig. Das Unternehmen will sich so ihr Wissen und ihre Erfahrung sichern. Und wie der Bahn geht es vielen Firmen.

Viele sind von Altersarmut bedroht

Aber nicht nur viele Akademikerinnen und Akademiker sowie spezialisierte Fachkräfte gehen im Ruhestand weiter arbeiten, es sind vor allem auch Menschen, die schon viele Jahre vor Erreichen der Altersgrenze ein geringes Einkommen hatten. Für die Studie wurde nämlich auch die Gehaltsentwicklung lange vor Rentenbeginn betrachtet. So zeigte sich: Wer mit Mitte 50 wenig verdient hatte, arbeitete mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Rentner oder Rentnerin weiter.

Die Forschenden gehen davon aus, dass viele daher wegen drohender Altersarmut neben der Rente arbeiten gehen. Zumal für die meisten der heutigen Rentnerinnen und Rentner der Mindestlohn noch nicht galt. Außerdem ist das Niveau der gesetzlichen Altersrente zuletzt immer weiter gesunken. Während Männer aus den westdeutschen Bundesländern im Schnitt 1.130 Euro Rente pro Monat erhalten, bekommen Frauen nur 647 Euro, zeigen Daten der Deutschen Rentenversicherung. In Ostdeutschland sind die Renten mit 1.226 Euro für die Männer und 962 Euro für die Frauen etwas höher.

Für die Forschenden war bei der Analyse durchaus überraschend, dass sich zwischen Männern und Frauen bei Art und Umfang der Erwerbsarbeit wenig Unterschiede zeigten.

Ostdeutsche arbeiten seltener im Rentenalter

Dafür zeigte sich ein Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen: Laut IAB-Studie gehen die Ostdeutschen seltener einer Arbeit nach dem Eintritt in die Rente nach. Das hängt den Forschern zufolge mit ihren gebrochenen Erwerbsbiografien zusammen. 

Wer viele Unterbrechungen im Berufsleben hatte, lange Zeit arbeitslos war und in einem höheren Alter ab Mitte 50 noch einmal den Arbeitgeber gewechselt hat, der arbeitet auch seltener im Rentenalter. Die Forscher vermuten, dass viele Wechsel ein stabiles Verhältnis zu einem Arbeitgeber verhindern. Im Osten kommt dazu, dass es hier immer noch viel weniger Jobs gibt – auch für Seniorinnen und Senioren.