Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in Argentinien spitzt sich die Schuldenkrise in dem südamerikanischen Land zu. Alle drei großen Ratingagenturen stuften das Land herab. Daraufhin hat die argentinische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Abwertung des Peso zu stoppen und eine weitere Kapitalflucht zu verhindern.

Zum einen müssen Kreditinstitute größere Verschiebungen ihres Vermögens künftig von der Zentralbank genehmigen lassen, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Nach Einschätzung von Experten hat das zur Folge, dass kein Geld mehr aus dem Land ausgeführt werden kann. "Das kann als Kapitalkontrolle interpretiert werden", sagte Jose Dapena, Finanzexperte an der Universität Cema in Buenos Aires. Zum anderen will die Zentralbank laut einem Bericht der Zeitung La Nación ab der kommenden Woche zudem massiv am Devisenmarkt intervenieren, um die Landeswährung zu stützen.

Argentinien will Milliardenschulden erst später begleichen

Damit die Regierung weiter zahlungsfähig bleibt, will sie außerdem die Rückzahlungstermine für Staatsanleihen und für die Milliardenkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) verschieben. Er habe mit dem Fonds Verhandlungen über die Fälligkeit der Kredite aufgenommen, sagte Finanzminister Hernán Lacunza.

"Wir verstehen, dass die Regierung diesen Schritt gemacht hat, um für Liquidität zu sorgen und die Reserven zu schützen. Wir stehen in diesen herausfordernden Zeiten an der Seite von Argentinien", sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Als der argentinische Peso im vergangenen Jahr stark abwertete, hatte der IWF Argentinien einen Bereitschaftskredit in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar gewährt.

"Wir alle können mit Verantwortungsbewusstsein und Vernunft dabei helfen, den Argentiniern Ruhe zu geben. Jeder an seiner Stelle", schrieb Staatschef Mauricio Macri bei Twitter. "Als Präsident ist das meine einzige Priorität. All mein Handeln weist in diese Richtung."

Die Ratingagenturen Fitch und Moody's senkten ihre Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit Argentiniens erneut. Fitch korrigierte das Rating von "CCC" auf "RD", "Restricted Default" – das bedeutet so viel wie eingeschränkter Kreditausfall und ist nur eine Stufe vom Rating für Zahlungsausfall entfernt.

Moody's beurteilt Landeskredite als "extrem spekulativ"

Argentinien habe einseitig beschlossen, fällige Schuldtitel erst später zurückzuzahlen, teilte die Ratingagentur mit. Darum habe Fitch einen Zahlungsausfall bei dem Land festgestellt. Die Ratingagentur hatte erst Mitte August ihre Einschätzung gesenkt. Moody's stufte die Schulden von Argentinien von "B2" auf "Caa2" hinab. Damit gelten die Kredite des Landes bei der Ratingagentur jetzt als "extrem spekulativ".

Argentinien steht seit Wochen verstärkt unter Druck, weil der Peso seit dem 11. August zum US-Dollar mehr als 20 Prozent an Wert verloren hat. Am Freitag setzte sich dieser Trend fort.

Am 11. August hatte der wirtschaftsfreundliche Präsident Mauricio Macri eine Vorwahl gegen seinen moderat linksgerichteten Herausforderer Alberto Fernández verloren. Dieser gilt nun als Favorit für die Präsidentenwahl im Oktober. Viele Anleger fürchteten offenbar einen Wahlsieg von Fernández und dessen Vizekandidatin, Ex-Präsidentin Cristina Kirchner, bei der Präsidentenwahl im Oktober. Die ehemalige Staatschefin steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik und eine konfliktreiche Beziehung zum IWF.