Robb Ewoldt ist Farmer im US-Bundesstaat Iowas und bewirtschaftet dort eine knapp 450 Hektar große Fläche. In der Wahl 2016 hat er für US-Präsident Donald Trump gestimmt, unter dessen Handelspolitik er jetzt leidet.

ZEIT ONLINE: Herr Ewoldt, was haben Sie als Farmer in den USA mit China zu schaffen?

Robb Ewoldt: Alles ist viel globaler geworden. Als ich vor 30 Jahren als Jugendlicher auf der Farm meiner Eltern arbeitete, wurde das Getreide noch vor Ort verarbeitet. Mais machte 75 Prozent unserer Anbaufläche aus. Doch dann erwies sich Soja als profitabler.

ZEIT ONLINE: Weil die Nachfrage in China stieg.

Ewoldt: Genau. Dort stiegen immer mehr Menschen in die Mittelschicht auf. Und die wollten besser essen und besseres Fleisch. Für besseres Fleisch brauchen Farmtiere wie Schweine besseres Futter. Deshalb begannen wir damit, Geschäftsbeziehungen nach China aufzubauen und unser Soja in großen Mengen als Futtermittel dorthin zu exportieren. Heute macht Soja etwa die Hälfte unserer Anbaufläche aus; das meiste davon exportieren wir.

Robb Ewoldt, 47, ist seit 1996 in zweiter Generation als Landwirt tätig. Der Vater zweier Kinder ist Schatzmeister der Iowa Soybean Association.

ZEIT ONLINE: Aber dadurch sind Sie stärker vom Export abhängig. Nachdem Präsident Trump im vergangenen Jahr den Handelskrieg mit China begann, reagierte die Volksrepublik mit drastischen Zöllen – zuallererst auf Sojabohnen. Welche Auswirkungen haben die chinesischen Gegenmaßnahmen auf Ihr Geschäft?

Ewoldt: Ich erinnere mich noch genau an die Nacht, als die Chinesen ihre 25-Prozent-Zölle auf unsere Produkte ankündigten. Die Weltmarktpreise brachen sofort um fünf Prozent ein. Für uns US-Bauern waren die Auswirkungen natürlich noch drastischer. Wir bekamen auf einmal 20 Prozent weniger pro Bushel Soja. (Ein Bushel entspricht etwa 27 Kilogramm, Anm. d. Red.) Da unsere Gewinnmarge ohnehin nur zehn Prozent beträgt, rutschten wir in die roten Zahlen.

ZEIT ONLINE: Wie hat sich dieser Umsatzeinbruch auf Ihr Leben ausgewirkt?

Ewoldt: Es ist zurzeit wirklich nicht leicht. Ich musste einen zweiten Job annehmen. Mit meinem Lkw liefere ich nachts Fracht aus. Darunter leidet natürlich das Familienleben. Mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen kann ich kaum Zeit verbringen. Aber sie verstehen, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Wir versuchen jetzt, andere Sojasorten zu züchten, die wir zum Beispiel nach Japan verkaufen. Aber dafür müssen wir eben auch in neue Geräte und ähnliches investieren, bevor wir davon profitieren. Ohne Export geht es nicht. Wir produzieren in den USA wesentlich mehr Getreide, als wir benötigen und brauchen Abnehmer im Ausland.

ZEIT ONLINE: Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr 12 Milliarden Dollar bereitgestellt, um Farmern zu helfen, die von den chinesischen Zöllen betroffen sind. Dieses Jahr will das Landwirtschaftsministerium noch einmal 16 Milliarden Dollar verteilen. Haben die Agrarsubventionen Ihre Verluste abgemildert?

Ewoldt: Ein bisschen schon, aber das Geld reicht nicht. Wegen der Zölle haben wir im vergangenen Jahr zwischen 40.000 und 50.000 Dollar verloren. Von der Regierung haben wir nur etwa 16.000 Dollar bekommen. Wir kommen noch über die Runden, aber für viele Kollegen geht es um die nackte Existenz. Ich garantiere Ihnen, dass es Bauern gibt, die dieses Jahr zum letzten Mal anbauen werden. Wie viele das sein werden, weiß ich nicht. Ich hoffe nur, dass ich nicht darunter bin.