Aldi und Lidl bringen ihre Interpretation des Burger-Ersatzes derzeit in 227g-Packungen zum Preis von 2,99 Euro ins Kühlregal. Damit sind sie günstiger als das in den USA hergestellte Vorbild Beyond Meat, das hierzulande meist für um die fünf Euro angeboten wird, aber auch teurer als manches Hackfleisch-Pendant. Bei Aldi Süd und Lidl sind die Buletten bereits Teil des festen Sortiments. Bei Aldi Nord sollen sie Ende des Monats als Aktionsartikel zu haben sein. Verpackt sind sie, wie auch bei Fleisch üblich, in Plastikschalen. Ein Bio-Siegel tragen sie nicht. Auf der Lidl-Verpackung ist die Vefo Gmbh aus Cloppenburg als Hersteller genannt, für Aldi produziert die Ponnath Gruppe/MPV GmbH mit Stammsitz in Kemmnath bei Bayreuth.

"Goldgräberstimmung" auf dem Markt

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet auf dem Markt derzeit eine Art "Goldgräberstimmung". Die Zielgruppe für Fleischersatz-Burger gelte bei den Unternehmen als lukrativ, deshalb tue sich insbesondere bei Produkten, die mit der möglichst gelungenen Imitation von Fleischgeschmack auch Flexitarier überzeugen wollen, besonders viel. Lidl teilt auf Anfrage mit: "Das Interesse an Fleischersatz-Produkten ist in den vergangenen Jahren gestiegen." Zu genauen Absatzsatzzahlen wolle man sich aber nicht äußern.

Verbraucherschützer Valet hat sich einige der Burger, die derzeit auf dem Markt sind, genauer angesehen. "Es ist natürlich kein Naturprodukt, das geht nicht ohne Zusatzstoffe", sagt er. Bedenklich seien diese in der Regel aber nicht. Und die Nährwerte? "Alles in allem nicht schlechter, aber auch nicht deutlich besser als Fleischburger." Allerdings sei der Salzgehalt der Alternativprodukte mitunter höher. Auch wenn Soja, Grundlage einiger Ersatzprodukte, wegen des Anbaus immer wieder in der Kritik stehe: Aus Valets Sicht überwiegen für Klimaschutz und Tierwohl die Vorteile.

Konsumverzicht hilft nur begrenzt

Klar ist aber auch: Mit individuellem Konsumverzicht allein lässt sich der Klimakrise nur schwer begegnen. Die Kaufentscheidung hat zunächst nur eine Auswirkung auf den eigenen rechnerischen CO₂-Fußabdruck, aber keinen direkten Einfluss auf den Klimawandel: Nur weil man zum Gemüseburger greift, wurde das Fleisch im Kühlregal daneben ja trotzdem bereits produziert. Die entsprechenden Emissionen sind längst freigesetzt. Erst wenn die Nachfrage insgesamt derart sinkt, dass Händler weniger bestellen, Produzenten weniger produzieren, letztlich ihr Geschäft umstellen oder aufgeben, würden zukünftig Emissionen eingespart. Direkt auf der Angebotsseite könnten hingegen Gesetze oder Vorschriften ansetzen.

Der IPCC-Bericht sieht in der Ernährung und Landwirtschaft durchaus Potenzial, Emissionen einzusparen. Doch dafür sei ein Bündel an Maßnahmen nötig. Dabei geht es nicht mehr nur darum, den Ausstoß von CO₂ zu mindern, sondern auch die Folgen des Klimawandels abzufedern: Bereits jetzt sei die Lebensmittelsicherheit gefährdet, etwa weil Temperaturen steigen oder sich extreme Wetterphänomene häufen, heißt es in dem Dossier. In Zukunft werde dieser Effekt eher noch zunehmen, warnen die Autoren – und derzeit gelten schon 821 Millionen Menschen weltweit als unterernährt.

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