Dabei ist nicht einmal klar, ob ein so kleinteiliger Kampf gegen illegale Ferienwohnungen überhaupt den Aufwand wert ist. Die Auswirkungen von Airbnb auf den Wohnungsmarkt sind umstritten: Der IW-Studie zufolge machten vollständig über Airbnb vermietete Wohnungen Anfang 2017 gerade einmal 0,8 Prozent des gesamten Wohnbestands der Hauptstadt aus. Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag von Airbnb kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach gibt es in Berlin 2.600 Wohnungen, die an mehr als 137 Tagen im Jahr komplett vermietet werden, also als zweckentfremdet gelten. Das mache gerade mal 2,3 Prozent der Wohnungen aus, die zwischen 2007 und 2017 in Berlin fehlten. Auch wenn der Anteil geringer ist, als manche vielleicht befürchteten: Angesichts der Wohnungsnot in der Hauptstadt ist jede Wohnung, die nicht dem freien Markt zugänglich ist, ein großer Verlust. Airbnb beruft sich indes darauf, dass das Ursprungsgeschäftsmodell – ein Zimmer oder eine Wohnung für eine kurze Zeit anzubieten, in der die Bewohner im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind – weiterhin die Mehrheit der Angebote auf der Plattform ausmachten.

Eckhard Sagitza überzeugt diese Argumentation nicht. Kein Wunder, sein Bezirk gilt als Airbnb-Hotspot. 563 Registriernummern hat Friedrichshain-Kreuzberg seit 2018 vergeben, mehr waren es nur im Bezirk Mitte. Die Zahl der tatsächlichen Ferienwohnungen, sagt Sagitza, sei allerdings deutlich höher. Gleiches gilt für die gesamte Stadt. Rund 13.000 Wohnungen werden in Berlin auf Airbnb angeboten, 85 Prozent hätten keine Registriernummer, berichtete der rbb – basierend auf Angaben der Plattform insideairbnb.com.

Wohnraum in Berlin - "Die Unsitte der Ferienwohnungen einschränken" Einwohner müssen lange suchen bis sie eine bezahlbare Wohnung finden. Investoren und Touristen stechen sie auf dem Wohnungsmarkt aus. Der Grüne Hans-Christian Ströbele und Aktivisten erklären, wie sie preiswerten Wohnraum ermöglichen wollen.

Die Zahlen scheinen übersichtlich, aber die Dunkelziffer ist hoch

Für diese unregistrierten Wohnungen interessiert sich das Bezirksamt. Doch Airbnb habe die Identität der Anbieter mit Eintreten des Gesetztes 2014 sofort "vernebelt", sagt Sagitza. Wurden früher noch Straßen und Hausnummer einer Ferienwohnung angegeben, erfährt man auf der Seite nun maximal den Kiez, in dem die Wohnung liegt, also einen Bereich zwischen 500 und 1.000 Metern. Das Unternehmen hingegen begründet den Schritt mit dem Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer. Die Änderungen seien international erfolgt, teilt Airbnb mit, und hätten nichts mit dem Berliner Gesetz zu tun. In welchem Haus sich die Wohnung befindet, in welchem Stock sie liegt – all das erfahren Nutzer und Behörden nicht. An diesem Punkt setzen die Mitarbeiter in den Bezirksämtern an.

Sie schauen sich die Fotos auf dem Portal an, sie nutzen Google Street View, sie recherchieren auf insideairbnb.com, einer unabhängigen Datenbank des Australiers Murray Cox, die ebenfalls illegale Vermietungen veröffentlicht. Speziell geschult werden sie dafür nicht. "Kreative Fleißarbeit", nennt es Sagitza. Details will er nicht verraten. Er wolle es den Vermietern ja nicht zu einfach machen. Die Mitarbeiter sind laut Gesetz berechtigt, die Daten des Vermieters zu ermitteln und die Wohnung "zu angemessener Tageszeit" zu betreten – auch wenn das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung dadurch eingeschränkt ist.

Die Hinweise auf die Wohnungen stammen meist aus der Bevölkerung; etwa von Nachbarn, die vom steten Ein- und Ausziehen im Haus genervt sind. Auf einer Website der Senatsverwaltung können sie den Verdacht auf illegale Ferienwohnungen melden, man könnte sagen, sie werden zum Denunzieren angestiftet. Die Daten werden den Bezirken dann zugespielt. Einige Bürger melden sich auch direkt bei den Bezirksämtern. Insgesamt, sagt Sagitza, gingen seit 2014 mehr als 5.000 Meldungen in seinem Bezirk ein.