Die Probleme der deutschen Autoindustrie wachsen gerade nach wie die Köpfe der Hydra. Schlägt man einen ab, kommen zwei neue nach. Darüber kann nicht einmal die glitzernde IAA-Show in Frankfurt hinwegtäuschen. Die Schwierigkeiten der Branche sind auf der Automesse offen sichtbar wie sonst nirgends.

"Wir schlittern nicht in die Krise hinein, sondern befinden uns mittendrin", sagte dort in dieser Woche Elmar Degenhart, der Vorstandsvorsitzende von Continental, einem der weltweit größten Automobilzulieferer. "Es hilft nicht mehr, die Dinge schönzureden." Man könne mittelfristig betriebsbedingte Kündigungen "als letztes Mittel nicht ausschließen". Die konjunkturelle Entwicklung der Branche sei das größte Problem.

Angefangen hat dieser Niedergang mit dem Dieselskandal vor vier Jahren, der eine grundsätzliche Debatte über Abgase und Klimaschädlichkeit der deutschen Fahrzeuge nach sich zog. Das Ganze mündet gerade in einer hitzigen Diskussion über den Sinn und Unsinn der verbrauchsstarken SUV, die den Konzernen bis heute ihre guten Geschäfte sichern.

Verkauf in China läuft schlecht

Hinzu kommt der Rückstand der deutschen Hersteller in der Elektromobilität. Die großen Marken haben den Wandel zu spät, dafür aber jetzt umso drastischer eingeleitet, sodass er die deutschen Zulieferer kalt erwischt. Zu stark ist deren Produktion auf Teile für den Verbrennungsmotor ausgerichtet, die aber immer weniger gefragt sind. Die Abwärtsentwicklung der Branche spiegelt sich eindrucksvoll in den Börsenkursen der drei großen Hersteller BMW, Daimler und Volkswagen wider: Seit 2018 verloren die Aktien deutlich an Wert.

Zu den strukturellen Problemen kommen jetzt konjunkturelle hinzu. Im Ausland werden tendenziell immer weniger deutsche Autos gekauft. "Die Bilanz der ersten Jahreshälfte fällt auf den internationalen Automobilmärkten überwiegend negativ aus", teilte im Sommer der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. In den großen Absatzregionen China, USA und Europa seien weniger Fahrzeuge verkauft worden als im ersten Halbjahr 2018. Auch in Russland und Indien sei die Nachfrage schwächer.

Vor allem das Geschäft in China, das für die deutschen Hersteller lange der wichtigste Wachstumsmarkt war, entwickelt sich schlecht. Der Absatz dort ist auch im August um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Zahlen gingen innerhalb von 15 Monaten zum 14. Mal zurück. Von dieser Entwicklung sind aber nicht allein die deutschen Hersteller betroffen, sondern genauso die chinesischen Marken.

Stefan Reindl ist Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft. "Von China geht momentan das stärkste negative Signal aus, weil es der weltweit größte Absatzmarkt ist", sagt er. Die Wachstumsraten seien abgeschmolzen, die Wirtschaft dort lege insgesamt nicht mehr so schnell zu wie noch vor einigen Jahren. Hinzu komme, dass "China mittlerweile ähnliche Probleme zu spüren bekommt wie andere Industrienationen auch", vom Verkehrskollaps bis hin zu Abgasproblemen in den Städten. Viele Provinzregierungen würden deshalb eine restriktive Politik fahren bei der Neuzulassung von Fahrzeugen. Und das wirke sich auf die Industrie im Moment deutlich aus.