Die US-Notenbank hatte schon damit begonnen, die Zinsen zu erhöhen. Viele spekulative Investoren zogen daraufhin ihr Kapital aus Argentinien ab, um es in den USA – in Dollar – anzulegen. Die Folge: Der Peso wertete ab. Auf dem internationalen Kreditmarkt kam Argentinien nun nicht mehr so leicht an Geld. Zugleich schmälerte die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten die Deviseneinnahmen aus den Agrarexporten beträchtlich. Die Landwirtschaft ist die wichtigste Branche im Land. Die brasilianische Wirtschaft, mit der Argentinien seit Langem eng verflochten ist, schwächelte ebenfalls.  

Welche Schäden das alles zusammengenommen in der argentinischen Wirtschaft anrichtete, zeigt der Kurs des Peso. Der fiel rasant: Im Frühjahr 2018 konnte man für 17 Peso noch einen US-Dollar kaufen, mittlerweile muss man 57 Peso zahlen. Im laufenden Jahr wird die Wirtschaft wohl um 2,8 Prozent schrumpfen.

Macris großer Fehler

Für Sergio Suppo, einen politischen Analysten der Zeitung La Nación, hat Präsident Macri einen grundlegenden Fehler begangen: Er habe den Argentinierinnen und Argentiniern das wahre Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme nicht erklärt, die Cristina Kirchner ihm hinterließ. Stattdessen vervielfachte der Präsident die Auslandsverschuldung. Zwei Jahre lang ging das gut, doch dann gaben ihm die Finanzmärkte keinen Kredit mehr, und Macri musste den Internationalen Währungsfonds zu Hilfe rufen, der Argentinien im vergangenen Jahr den mit 57 Milliarden Dollar größten Kredit seiner Geschichte gewährte. 

Im Gegenzug musste Macri versprechen, das argentinische Staatsdefizit bei null zu halten. Doch als das Land in die Rezession rutschte, war das nicht mehr einzulösen. Nun will Minister Lacunza erneut mit dem IWF verhandeln. 

Kirchners Regierung hatte die Strom- und Gastarife subventioniert. Sie sanken auf lächerlich geringe Höhen, Strom für einen Monat kostete zeitweise so viel wie eine Tasse Kaffee. Stromausfälle waren üblich. Der Staat brauchte viel Geld, um die Subventionen zu bezahlen. Kirchner "löste das Problem, indem sie Peso ausgab, was die Inflation mitten in der Rezession noch verstärkte", sagt Suppo. "Und indem sie die Statistik manipulierte."

Die Mittelschicht wandte sich ab

Macri übernahm ein hohes Staatsdefizit von Kirchner – und versuchte, die Wirtschaft schrittweise zu reformieren. In seiner Amtszeit stiegen die Energiepreise um 800 bis 3.000 Prozent. Lange unterstützte ihn die Mittelschicht; ihre Angehörigen waren bereit, mehr zu zahlen. Aber irgendwann glaubten sie den Reformen Macris nicht mehr und wandten sich vom Präsidenten ab. Wie sehr, haben die Vorwahlen vom 11. August gezeigt.

Nun ist Macri zwar noch Präsident, besitzt aber kaum noch Macht. Mit seinem Gegner Fernández verhält es sich umgekehrt: Sein Einfluss wächst, aber noch ist er nicht im Amt. Die Unsicherheit, die daraus folgt, macht die Wochen des Übergangs zwischen der Vorwahl, der Präsidentschaftswahl und dem Amtsantritt des voraussichtlich neuen Präsidenten so heikel. 

Fernández warf dem IWF vor, gemeinsam mit Macri für eine "soziale Katastrophe" in Argentinien verantwortlich zu sein – die Märkte reagierten erneut nervös. Viele Investoren fragen sich, ob jetzt der Populismus nach Argentinien zurückkehrt. Doch selbst wenn der nächste argentinische Präsident Fernández heißt und seine Vizepräsidentin Kirchner: Sie werden keinen finanziellen Spielraum haben. Populismus funktioniert nicht ohne Geld. Und Geld ist genau das, was Argentinien in den kommenden Jahren eher nicht übrig haben wird.