Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Strafzinsen für Banken angehoben und nimmt ihre umstrittenen Anleihenkäufe wieder auf. Statt 0,4 Prozent müssen Banken künftig 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank einlagern, wie die EZB mitteilte. Der Rat der EZB stimmte zudem zu, ab 1. November monatlich 20 Milliarden Euro in Wertpapiere zu investieren.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre lockere Geldpolitik nochmals. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Tief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Mit dem Strafzins will die EZB die Banken dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben, um die Wirtschaft zu stützen. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein. 

Ende Dezember hatte die EZB ihr Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 kaufte die EZB Anleihen im Wert von rund 2,6 Billionen Euro.

EZB weit von Inflationsziel entfernt

Der Kauf von Staatsanleihen hilft den Eurostaaten, günstiger an Geld zu gelangen. Denn wenn die EZB große Bestände aufkauft, müssen sie für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten.

Die EZB wird aller Voraussicht nach auch künftig an ihrer Geldpolitik festhalten. Draghis designierte Nachfolgerin an der EZB-Spitze, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält.

Die EZB strebt in der Eurozone mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben, weil sie hoffen, dass es bald noch billiger wird. Im August verharrte die Inflation jedoch zuletzt bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.