Heinrich Katz mag seine Fliegen. "So schön gemütlich, und dann mit den weißen Beinchen, sehen Sie das?", zeigt er auf die schmale, schwarzblau schimmernde Fliege auf seiner Hand. Es ist eine Hermetia illucens, eine Schwarze Soldatenfliege.

Es ist gut, dass Katz die Fliegen mag, denn er besitzt 1,5 Millionen davon. Sie fliegen in großen weißen Gazekäfigen herum. Ihre Eier kleben sie in die Ecke, in kleine Kartons. Und das ist es, was Katz braucht: Fliegeneier. In wenigen Tagen werden daraus Millionen Larven. Die werden getrocknet, entfettet und gemahlen. Aus ihnen wird Futter.

Die trockenen Maden der Schwarzen Soldatenfliege kann man essen. Sie schmecken ein bisschen nussig und krispeln wie Chips. Doch noch werden eher selten Lebensmittel aus der Fliege gemacht. 

Insektenlarven sind eine der großen Hoffnungen der Biotechbranche für Tierfutter. Ganz besonders die der Schwarzen Soldatenfliege. Sie sei eine Superfliege, schwärmt einer der renommiertesten Kenner der Insektenszene, der niederländische Professor Arnold van Huis auf der Insecta 2019, einer restlos ausgebuchten Expertenkonferenz, die gerade in Potsdam stattfand. "Aus ihr kann man alles machen, Lebensmittel, Futtermittel, Öl, Diesel, Fasern. Insgesamt hat es in den letzten Jahren 473 Patentanmeldungen zur Soldatenfliege gegeben", sagt van Huis. Es gibt bereits Unternehmen, die die proteinreiche Made als Alternative zur Sojafütterung produzieren.

Katzbiotech, Katz' mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Baruth bei Berlin, produzierte lange vor allem Wespen und Fliegen für die biologische Schädlingsbekämpfung. Vor wenigen Jahren kam die Zuchtanlage für die Soldatenfliege dazu: 300 Tonnen Futtermehl produziert Katz derzeit, die Ware ist immer ausverkauft. "Die Soldatenfliege eignet sich besonders gut: Sie beißt nicht, sticht nicht und frisst erwachsen nicht mehr", sagt Heinrich Katz. Er plant gerade neue Hallen, 20.000 Quadratmeter für die Zucht, für 5.000 Tonnen Mehl.

Die Fliege ist auch deswegen so beliebt, weil es mit Soja, was bislang vor allem als Tierfutter genutzt wurde, große Probleme gibt: Nicht nur, weil in den klassischen Anbauländern USA, Brasilien und Argentinien zu über 90 Prozent gentechnisch verändertes Soja angebaut wird, dass europäische Verbraucherinnen und Verbraucher nicht akzeptieren – auch nicht als Futtermittel für Tiere. Sondern auch, weil für den Anbau in Brasilien immer wieder der ohnehin gefährdete Regenwald niedergebrannt wird. Denn die globale Nachfrage nach Fleisch steigt unaufhörlich, besonders in China.

Momentan wird zwar in Europa kaum Soja aus Brasilien gekauft, weil China im Handelsstreit mit den USA deren Soja mit extremen Zollerhöhungen versehen hat und Brasilianer ihr Soja gerade vor allem nach China exportieren. Doch auch wenn Europa zurzeit billig zu 70 Prozent aus den USA Soja importiert, bleibt doch die Rodung des Regenwalds ein Problem, das alle angeht.  

Seit 2006 verbietet das Soja-Moratorium, dass der Verband der Tierfutterherstellung mit Nichtregierungsorganisationen geschlossen hat, den Import von Soja, das von Plantagen stammt, die nach 2008 gerodet wurden. Das Moratorium trägt weiterhin, sagt Greenpeace.

Doch woher auch immer das Soja stammt, importieren müssen die Europäer. Denn ihre Tierhaltung ist angewiesen auf die Importe, vor allem Schweine und Geflügel kommen nicht ohne eiweißhaltige Futtermittel aus. Die Sojabohne mit ihren bis zu 40 Prozent Fettanteil eignet sich hervorragend dafür. Insgesamt importiert Europa deswegen jährlich rund 35 Millionen Tonnen Soja und Sojaschrot; 6,1 Millionen Tonnen davon gehen nach Deutschland.