Die Stadtsparkasse München hat 28.000 Kundinnen und Kunden sogenannte Prämiensparverträge gekündigt. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Weiteren 15.000 Kundinnen und Kunden stehe eine Kündigung in den kommenden Jahren bevor. "Die Verträge sind zum größten Teil in den Neunzigerjahren geschlossen worden. Die Renditen sind nicht mehr zeitgemäß", zitiert die Zeitung den Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse, Ralf Fleischner.

Grund für die Kündigung seien demnach die anhaltend niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB), wegen der immer schwerer Geld mit dem klassischen Zinsgeschäft zu verdienen sei. "Am Ende treibt die EZB alle Institute in solche Maßnahmen", sagte Fleischer. Mitte September hatte die Zentralbank die Strafzinsen für Banken erneut angehoben, von 0,4 auf 0,5 Prozent. So will die EZB die Banken dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben, um die Wirtschaft zu stützen. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, erhält ein Kunde eines Prämiensparvertrags nicht nur Zinsen, sondern zusätzlich fest vereinbarte Prämien. Bei der Stadtsparkasse München nach 15 Jahren etwa die höchste Prämie von 50 Prozent.

Der Zeitung zufolge werde in einem ersten Schritt Tausenden Kundinnen und Kunden gekündigt, deren Verträge bereits länger als 15 Jahre laufen. Den übrigen Inhaberinnen und Inhabern eines Prämiensparvertrags werde nach und nach ebenfalls gekündigt, sobald deren Verträge eine Laufzeit von 15 Jahren überschritten haben.

Im Mai hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass eine Kündigung attraktiver Altverträge durch Sparkassen nach einer gewissen Zeit hinnehmbar sei. Das Vorgehen der Banken sei in der anhaltenden Niedrigzinsphase gerechtfertigt, heißt es in der Begründung.