Das Geldvermögen der Deutschen ist trotz der Dauertiefzinsen und Kursverluste an den Aktienmärkten angestiegen. Das geht aus dem jährlichen Global Wealth Report 2019 der Allianz hervor, der für 53 Länder Bargeld, Bankeinlagen und Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds, nicht jedoch Immobilien berücksichtigt. "Die Deutschen sparen mit Macht gegen die Dürre bei Zinsen und Kapitalerträgen an", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Weltweit sank das Bruttogeldvermögen dagegen erstmals seit der Finanzkrise 2008.

Grund für den Anstieg ist der Allianz zufolge der boomende Arbeitsmarkt und steigende Löhne. Dadurch seien mehr Menschen in der Lage, Geld zurückzulegen. Das Bruttogeldvermögen – also einschließlich Schulden – ist demzufolge 2018 trotz der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten um 2,2 Prozent auf 6,2 Billionen Euro gestiegen. Damit gehörte Deutschland zu den wenigen europäischen Ländern, die einen Zuwachs erzielten. 2018 seien erstmals die Geldvermögen in Industrie- und Schwellenländern gleichzeitig zurückgegangen. Selbst 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, sei dies nicht der Fall gewesen.

Das Geldvermögen der Deutschen liegt netto pro Kopf bei 52.860 Euro. Deutschland lag in der Liste der 20 reichsten Länder unverändert auf dem 18. Platz. Die Liste wird angeführt von den USA, der Schweiz, Singapur, Taiwan und den Niederlanden. Es folgen Japan, Schweden, Belgien, Neuseeland, Dänemark, Kanada, Großbritannien, Israel, Australien, Frankreich, Österreich und Italien.

Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen steigt

Entgegen ihres Rufs waren die deutschen Haushalte der Allianz zufolge bei Weitem nicht die vorsichtigsten Sparer im vergangenen Jahr. Zwar stieg der Anteil der Bankeinlagen an den frischen Spargeldern auf 57 Prozent. Im übrigen Westeuropa lag der Wert aber bei 68 Prozent. Die deutschen Sparer investierten laut der Angaben ein Fünftel ihres Anlagegeldes in Aktien und Fonds, die übrigen Haushalte verkauften in der Summe Wertpapiere.  

Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts haben sich im vergangenen Jahr trotz der Kursturbulenzen wieder mehr Kleinanleger in Deutschland an die Börse getraut. Die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen stieg im Jahresschnitt um etwa 250.000. Insgesamt besaßen etwa 10,3 Millionen Bürger, die älter sind als 14 Jahre, Aktienfonds oder Anteilsscheine von Unternehmen. Damit erreichte die Zahl der Aktienbesitzer den höchsten Wert seit 2007.

Weltweites Finanzvermögen schrumpft

Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Ungewissheiten des Brexits und geopolitische Spannungen trübten die Stimmung der Anleger. "Die zunehmende Unsicherheit fordert ihren Tribut", sagte Heise. Handel sei kein Nullsummenspiel. "Entweder gewinnen alle – wie in der Vergangenheit – oder es verlieren alle – wie im letzten Jahr." Netto, also abzüglich von Schulden, sank das Geldvermögen in den 53 untersuchten Staaten insgesamt um 1,9 Prozent auf 129,8 Billionen Euro.

Angesichts der Erholung an den Aktienmärkten im ersten Halbjahr rechnet die Allianz in diesem Jahr weltweit mit einem Anstieg des Bruttogeldvermögens um knapp 7 Prozent. Vorausgesetzt, es gebe keine politischen Störfeuer, die die Börsen belasteten.