Zwei Wirtschaftsinstitute warnen vor einer Rezession in Deutschland und weisen auf die derzeit schwache Industrieproduktion hin. Darunter ist das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Laut dem aktuellen Konjunkturindikator liegt das Rezessionsrisiko derzeit bei 59,4 Prozent – im August lag der Wert noch bei 43 Prozent. Das sei der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/2013. Deshalb bestehe eine "akute Rezessionsgefahr".

Indikatoren für dieses Szenario seien rückläufige Zahlen für Produktion und Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt und eine "gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft", teilte das Institut mit. Grund dafür sind demnach vor allem die außenwirtschaftlichen Risiken, also vor allem ein drohender harter Brexit und Handelsstreitigkeiten. Außerdem gebe es strukturelle Schwächen in einigen Branchen, etwa der Automobilindustrie.

Ifo-Institut erwartet schrumpfende Wirtschaft

Auch das Ifo-Institut rechnet mit einer weiter schrumpfenden Wirtschaftsleistung im Sommerquartal 2019 – und zwar wie im Frühjahr in der Größenordnung von minus 0,1 Prozent zum Vorquartal. Die Prognose sei mit hohen Unwägbarkeiten verbunden. "So unterstellen wir, dass ein harter Brexit oder eine Eskalation des US-Handelskrieges ausbleiben", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer technischen Rezession. Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr im Vergleich zum Vorjahr schrumpft. Damit wird jedoch derzeit nicht gerechnet. Zuletzt war dies 2009 infolge der globalen Finanzkrise der Fall; seitdem hatte die deutsche Wirtschaft ununterbrochen mit teils kräftigen Wachstumsraten zugelegt.

Auch für 2020 wird der Ausblick laut Ifo dunkler: Statt bislang 1,7 Prozent traut das Institut der größten Volkswirtschaft der Eurozone nur noch 1,2 Prozent Wachstum zu, für 2021 1,4 Prozent.

"Die Konjunkturschwäche hat ihre Spuren mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen", fügte Wollmershäuser hinzu. Für 2020 erwartet das Ifo einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 2,313 Millionen, nach 2,275 Millionen in diesem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten soll allerdings weiter langsam zunehmen.