Weniger Menschen gehen einer atypischen Beschäftigung nach und wieder mehr Menschen haben eine reguläre Arbeit. Das zeigen neue Zahlen vom Statistischen Bundesamt. Demnach hatten mehr als 70 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland 2018 wieder einen regulären Job, das heißt: Sie waren unbefristet, sozialversicherungspflichtig und mit mindestens 21 Wochenstunden angestellt und gingen dabei keiner Zeit- oder Leiharbeit nach. Damit war die Zahl der Menschen mit einem normalen Job so hoch wie seit 2002 nicht mehr.

Damals brachte die rot-grüne Bundesregierung unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die sogenannte Agendapolitik auf den Weg. Sie sah eine Reihe neoliberaler Lockerungen für den Arbeitsmarkt vor. Unter anderem wurde die Leiharbeit stark ausgebaut, weil Beschränkungen der Überlassungsdauer – also der Zeit, die Zeitarbeiter an einen Betrieb entliehen werden dürfen – wegfielen. So stieg in den Folgejahren die Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, viele fanden sich hier in einem dauerhaft prekären Beschäftigungsverbot. Zudem weitete die rot-grüne Regierung 2003 geringfügige Beschäftigung wie Minijobs aus. Sie sollten eigentlich für mehr Beschäftigung sorgen, entfalteten für viele Minijobberinnen und Minijobber eher einen Klebeeffekt. Sprich: Statt über den Minijob, wie ursprünglich gedacht, in reguläre Arbeit zu finden, gingen vor allem Millionen Frauen als Zuverdienerinnen dieser Art von geringfügiger Beschäftigung dauerhaft nach.

Die damalige Arbeitsmarktpolitik führte auch zu einer erheblichen Zunahme von befristeter Beschäftigung, insbesondere der sachgrundlosen Befristung, die bis heute für die meisten Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger normal geworden ist.

Das alles bedingte einen Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung – 2007 erreichte diese ihren Höchststand: Damals war fast ein Viertel der Beschäftigten (22,7 Prozent) nicht in regulärer Arbeit tätig. 2018 waren es nur noch ein Fünftel. Zugleich sank die Zahl der Selbstständigen in diesem Zeitraum von über elf auf heute knapp über neun Prozent. 

Andere Arbeitsmarktpolitik und gute Konjunktur

Die Gründe für den Rückgang der atypischen Beschäftigung sind vielfältig. Zum einen besteht in immer mehr Branchen Fachkräftemangel, weil mehr Menschen in Rente gehen, als Jüngere in den Beruf einsteigen. Das heißt, Unternehmen müssen einiges tun, um attraktiv zu sein. Und dazu gehören unter anderem Arbeitsverhältnisse, die unbefristet sind. 

Zugleich gab es über die vergangenen Jahre eine überdurchschnittlich lang anhaltende gute Konjunktur. Die trübt sich derzeit zwar ein, doch von einem echten Abschwung kann noch keine Rede sein, da es immer noch ein – langsameres – Wirtschaftswachstum gibt. Außerdem wirkt sich eine nachlassende Konjunktur erst mit einiger zeitlicher Verzögerung auf den Arbeitsmarkt aus.