Manfred Weber (CSU) hat den Autohersteller VW laut einem Bericht für den möglichen Bau eines neuen Werks in der Türkei kritisiert. "VW trägt auch eine gesellschaftliche Verantwortung, und gerade angesichts der Einschränkungen der Pressefreiheit muss man sich fragen, ob ein Investment in der Türkei jetzt richtig ist", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament dem Spiegel.

Dem Bericht zufolge hat Weber EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aufgefordert, zu prüfen, ob die Türkei mit ihren Beihilfen für das geplante VW-Werk gegen europäisches Recht verstoße. Es könne nicht sein, "dass unsere Mitgliedstaaten an strenge Wettbewerbs- und Beihilferegeln ­gebunden sind, während die Türkei Beihilfen für eine Produktion gewährt, die in den europäischen Markt exportiert wird", zitiert der Spiegel aus einem Schreiben des CSU-Politikers.

VW hatte zuletzt in der westtürkischen Provinz Manisa eine Tochtergesellschaft gegründet. Mit Blick auf eine mögliche Fabrik in der Nähe von Izmir heißt es bei VW seit Wochen, dass man in "finalen" Gesprächen zu letzten Details des Vertrags sei, wie die Deutsche Presse-Agentur zuletzt berichtete. Nun teilte VW laut Spiegel mit, dass sich die Türkei im Vergleich mit anderen Bewerbern durchgesetzt habe.

Auch Bulgarien war offenbar als Standort im Gespräch

Dem Bericht zufolge war auch Bulgarien als Standort eine Option. Das benachbarte EU-Land sei bei der Zusage von Fördermitteln aber durch europäische Vorschriften beschränkt gewesen. Für die Türkei gelten allerdings ebenfalls die EU-Wettbewerbsregeln, da sich das Land mit der EU in einer Zollunion befindet.

Nötig wird das Werk unter anderem, weil VW den Umstieg in die E-Mobilität an deutschen Standorten beschlossen hat. Zwickau wird bereits umgebaut, die Werke in Emden und Hannover sollen folgen. Deshalb braucht der Konzern neue Kapazitäten für den Passat und den Superb der Schwestermarke Škoda.