Während zwischen London und Brüssel noch verhandelt wird, hat der drohende Brexit bereits erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Allein im ersten Halbjahr habe sich das deutsche Exportgeschäft mit Großbritannien auf das Jahr hochgerechnet in Höhe von über 3,5 Milliarden Euro in Luft aufgelöst, sagte Außenhandelspräsident Holger Bingmann der Zeitung Rheinischen Post. "Großbritannien ist in der Rangfolge unserer Handelspartner von Platz fünf im Jahr 2016 auf aktuell Platz 13 abgerutscht und liegt hinter Polen."

Zugleich warnte Bingmann die Bundesregierung und die übrigen EU-Staaten eindringlich vor einem harten Brexit Ende Oktober. "Ein ungeregelter Austritt der Briten aus der EU ist wahrscheinlicher denn je. Ein harter Brexit aber hätte katastrophale Folgen für den deutschen Außenhandel", so der 58-jährige Unternehmer und Verbandspräsident.

Großbritannien würden so zu einem Drittstaat; Unternehmen, die regelmäßig Waren dorthin exportieren oder von dort einführen, würden künftig mit einem immensen Mehraufwand für Zoll, Logistik, Transport, Datenschutz und Steuern konfrontiert werden. Das alles bedeute einen enormen Zeit- und damit auch Kostenaufwand.

Das wahre Schadensausmaß dürfte aber "noch deutlich größer sein und erst in einigen Monaten sichtbar werden", da viele Unternehmen ihre Lager im Vereinigten Königreich aufgefüllt hätten, um Unterbrechungen der Lieferkette vorzubeugen.

Wirtschaft bereitet sich auf Brexit vor

Erst in der vergangenen Woche hatten die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen gesenkt – sowohl für das letzte Quartal des Jahres als auch für das kommende Jahr. Demnach soll die Wirtschaft zwar noch wachsen, aber mit 0,5 Prozent Steigerung des Bruttoinlandprodukts (BIP) bis Jahresende und nur noch einem Prozent im kommenden Jahr soll die Entwicklung eher mau aussehen. Als wichtigen Grund nannten die Expertinnen und Experten die bereits jetzt spürbaren Auswirkungen des Brexits.

Unterdessen wurde bekannt, dass die britische Großbank HSBC planen soll, weitere 10.000 Stellen zu streichen. Darunter sollen vor allem hoch dotierte Posten in Europa sein, berichtete die Financial Times am Montag unter Berufung auf anonyme Quellen. Die Bank hatte schon ein Umstrukturierungsprogramm verkündet, wonach rund 4.000 der weltweit 200.000 Jobs wegfallen sollten.

Auch HSBC ist von den Unsicherheiten des Brexits betroffen. Zuletzt hatte das Geldinstitut aber Gewinne gemacht und für August eine deutliche Gewinnsteigerung für das erste Halbjahr bekannt gegeben.