Das richtige Pflegeheim finden, das soll in Zukunft einfacher werden. Seit diesem Dienstag gilt der sogenannte Pflege-TÜV, ein System, nach dem die mehr als 13.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland begutachtet und vergleichbar eingestuft werden sollen. Es löst die bisherigen Pflegenoten ab, die zwar ähnlich funktionierten, aber schon länger in der Kritik standen. "Der bisherige Pflege-TÜV war leider eine Farce", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er betonte, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen seien auf aussagekräftige Bewertungen von Pflegeheimen angewiesen, die sollen mit dem neuen System sichergestellt werden. 

Das Problem am alten System war eine große Intransparenz. Denn wirklich schlechte Noten gab es kaum. Bundesweit hatten Heime die Schulnote 1,2 – Qualitätsmängel wurden nur unzureichend abgebildet, weil nur bestimmte Kriterien für die Ermittlung der Note herangezogen wurden.

Das neue System soll nun mehr Informationen über eine Einrichtung geben und außerdem Qualitätsunterschiede besser erkennbar machen, sagte die Leiterin des Gesundheitsbereichs des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Monika Kücking.

Im neuen Prüfverfahren werden interne Qualitätsmessungen der Heime mit externen Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) kombiniert. Die Pflegeeinrichtungen beginnen ab jetzt mit der internen Datenverarbeitung, sie sollen halbjährlich erstellt werden. Dabei wird etwa gemessen, wie mobil und selbstständig alle Bewohnerinnen und Bewohner sind und wie viele von ihnen an Druckgeschwüren oder an den Folgen von Stürzen leiden. Ein Druckgeschwür gilt als ein Indiz für schlechte Pflege. Solche Geschwüre entstehen, wenn Bettlägrige zu wenig gewendet werden. Stürze hingegen sind nicht immer zu vermeiden, gerade in Einrichtungen, die auf eine aktivierende Pflege setzen und die Bewohnerinnen und Bewohner lange mobil halten. Trotzdem gelten auch sie als Indiz für Pflegemängel. Die so erhobenen internen Daten werden an eine unabhängige Stelle weitergeleitet und dort ausgewertet. Anschließend wird jedes Heim mit den bundesweiten Ergebnissen aller Einrichtungen verglichen.

Ab November beginnen die Medizinischen Dienste der Krankenkassen mit den neuen externen Prüfungen. Die Besuche werden, wie bisher auch, vorher angemeldet – allerdings beträgt die Vorlaufzeit nur einen Tag. Pro Einrichtung muss auch eine Stichprobe von neun Bewohnerinnen und Bewohnern befragt und in Augenschein genommen werden. Außerdem führen die Prüferinnen und Prüfer ein Fachgespräch mit den Pflegekräften vor Ort über die Ergebnisse des Checks.  So soll die Beratungsleistung des MDK in den Vordergrund rücken. Die oft kritisierte Pflegedokumentation soll künftig etwas weniger wichtig werden. Nach eigenen Angaben habe der MDK seine Mitarbeitenden auf die Prüfaufgaben vorbereitet und für das neue System geschult.

Bis Ende 2020 soll jedes Pflegeheim in Deutschland einmal geprüft worden sein. Heime mit guten Prüfergebnissen sollen ab 2021 nur noch alle zwei Jahre vom MDK geprüft werden. Sogenannte Anlassprüfungen, die die Landesverbände der Pflegekassen nach Hinweisen auf Mängel beim MDK beauftragen können, werden wie auch bisher unangemeldet durchgeführt.

Spahn hofft auf mehr Vertrauen ins System

Künftig gehe es nicht mehr darum, wer "die Haken in der Akte am besten macht, sondern darum, wie es den Bewohnern wirklich geht", sagte Spahn. Das sei ein "Riesenschritt für mehr Vertrauen ins System".

Die Ergebnisse der externen MDK-Prüfung und der internen Erhebung sollen der Bevölkerung ab 2020 zur Verfügung stehen, heißt es. 

Der Sozialverband VdK Deutschland erwartet durch den neuen "Pflege-TÜV" eine Verbesserung der Versorgungsqualität. Die gemeinsame Verantwortung von Pflegeeinrichtungen und Prüfinstitutionen würde so gestärkt, erklärte VdK-Expertin Ines Verspohl. Zudem könnten die Heime Fehler mit der neuen Methode selbst erkennen.

Allerdings gibt es auch Kritik, etwa von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das neue System sei zu kompliziert und bringe keine schnelle Übersicht, sagte Vorstand Eugen Brysch. "Für eine rasche Vergleichbarkeit bei der Pflegeheimsuche sind eine aussagefähige Gesamtnote und K.-o.-Kriterien dringend notwendig." Wenn Heime bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfielen, müsse dies sofort erkennbar sein.