Den Finanzbehörden sind aus dem Ausland Milliardenvermögen von Deutschen gemeldet worden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt. Nicht-EU-Staaten informierten die Bundesrepublik im Jahr 2017 demnach über Erträge in Höhe von fast 39 Milliarden Euro. Diese Gelder sind steuerlich relevant. Insgesamt lagen auf deutschen Konten außerhalb der EU 269,4 Milliarden Euro. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Basis für den automatischen Informationsaustausch ist ein Standard, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erarbeitet hatte. Der Austausch von Daten war bereits 2014 vereinbart worden, sollte jedoch erst 2017 beginnen. Neben den fünf größten EU-Staaten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien gehörten unter anderem auch Bermuda und die Kaimaninseln zu den Erstunterzeichnern.

Im Jahr 2016, bevor der automatische Austausch galt, hatte Deutschland noch deutlich weniger Informationen erhalten, wie die Zahlen der Bundesregierung zeigen. Damals meldeten Staaten außerhalb der EU den deutschen Behörden lediglich Erträge in Höhe von 2,4 Milliarden Euro.

Auch EU-Länder melden inzwischen mehr Geld. Der Datenaustausch soll aber vor allem darauf abzielen, Steuerflucht in sogenannte Steueroasen zu verhindern. Laut OECD haben inzwischen 95 Staaten Kontostände automatisch verschickt. Dazu gehören Länder wie Singapur, Lichtenstein und Andorra, die in der Vergangenheit oft als Steueroasen bezeichnet wurden und für den Informationsaustausch ihr Bankgeheimnis lockerten.

USA nutzen bilaterale Abkommen

Nicht dabei sind die USA. Allerdings stützen diese sich bei ihrem Kampf gegen Steuerhinterziehung auf ein Netzwerk aus eigenen bilateralen Abkommen, die als Vorbild für die jetzt auf OECD-Ebene unterzeichneten Verträge dienen und ähnliche Absprachen festschreiben. Zwischen den USA und Deutschland greift ein solches Übereinkommen zum Datenaustausch bereits seit 2013. 

Wie hoch die Summen sind, die aus den einzelnen Staaten und Gebieten gemeldet werden, bleibt laut Bundesregierung geheim. Die Vertraulichkeit sei "fundamentale Voraussetzung für die Bereitschaft der Staaten, an dem Informationsaustausch teilzunehmen", hieß es in der Antwort auf die Anfrage der Bundesregierung. Diese Regeln nicht zu akzeptieren, würde die "langjährigen Anstrengungen zur Bekämpfung von Steuerflucht" gefährden. 

Informationen, die an Deutschland gemeldet werden, leitet das Bundeszentralamt für Steuern an die zuständigen Finanzämter weiter. Unklar ist, was durch den automatischen Informationsaustausch zusätzlich in die Kassen der Steuerbehörden fließen wird. Die Verarbeitung der gemeldeten Informationen sei noch nicht abgeschlossen, teilte die Bundesregierung mit.