Den Wirtschaftsnobelpreis teilen sich in diesem Jahr eine Forscherin und zwei Forscher. Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer werden ausgezeichnet "für ihren experimentellen Ansatz zur Linderung der weltweiten Armut", gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. So hätten die Forscher etwa gezeigt, wie sich die Schulbildung und die Gesundheit von Kindern mit kleinen, präzisen Schritten verbessern lasse.

Der in Indien geborene Ökonom Abhijit Banerjee und die Französin Esther Duflo forschen gemeinsam am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der US-Amerikaner Michael Kremer ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University.  

Alle drei Preisträger beschäftigen sich mit Feldexperimenten. Die Akademie würdigte, dass dieser Ansatz die Entwicklungsökonomie in nur zwei Jahrzehnten zu einem wachsenden Wissenschaftsfeld gewandelt habe. Der experimentelle Ansatz soll dazu beitragen, Wirtschaftspolitik in der Entwicklungszusammenarbeit mit empirischen Erkenntnissen zu untermauern. So hat etwa Kremer, 54, erforscht, welchen Nutzen die Behandlung mit Wurmmitteln für die Verbesserung der Gesundheit von Kindern in Ländern des globalen Südens hat.

Preisträgerin wünscht sich mehr Respekt für Forscherinnen

Duflo ist erst die zweite Frau, die einen Nobelpreis für Wirtschaft erhält. Den ersten bekam 2009 die US-Ökonomin Elinor Ostrom. Zugleich ist 46-jährige Duflo die jüngste Person, die je den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen hat. Sie erforscht, was Entwicklungsgelder bewirken. Mit ihrem Co-Nobelpreisträger Banerjee, 58, der auch ihr Ehemann ist, hat die Ökonomin das Poverty Action Lab gegründet, ein Institut, das mit inzwischen über 120 Wissenschaftlern Wege aus der Armut erforscht. Im vergangenen Jahr sagte sie dem ZEITmagazin in einem Interview: "Die Armen kämpfen mit den Widersprüchen des Lebens, wie wir."

Wirtschaftsnobelpreis - Auszeichnung für Forschung zu Armutsbekämpfung Die Wirtschaftswissenschaftler Abhijit Banerjee und Michael Kremer sowie die Ökonomin Esther Duflo bekommen den Wirtschaftsnobelpreis 2019. Sie erhalten rund 830.000 Euro. © Foto: Karin Wesslen

Duflo sagte, sie haben nicht damit gerechnet, schon in ihrem Alter mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet zu werden. Sie hätte gedacht, dass man viel älter sein müsse, um sich den Preis zu verdienen. Der Preis erfülle sie mit Demut. "Es ist möglich für eine Frau, erfolgreich zu sein und für diesen Erfolg Anerkennung zu erfahren", das verdeutliche die Auszeichnung, sagte Duflo bei einem Telefonat mit der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm. Der Preis komme zu einer "extrem passenden und wichtigen Zeit", sagte die Ökonomin. Die Auszeichnung werde hoffentlich "viele, viele andere Frauen inspirieren, ihre Arbeit fortzusetzen, und viele andere Männer, ihnen den Respekt zu geben, den sie wie jeder einzelne Mensch verdienen".

Der Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht auf Alfred Nobels Testament zurückgeht. Er wurde vielmehr Ende der Sechzigerjahre von der schwedischen Reichsbank gestiftet und gilt somit streng genommen nicht als klassischer Nobelpreis. Alle Preise sind in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Dieses Geld bekommen die Preisträger am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, überreicht – zusammen mit einer Medaille und einer Urkunde.