Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist im bundesweiten Vergleich in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg am weitesten fortgeschritten. Das geht aus einer neuen Länderanalyse hervor, für die im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) der Ausbau in allen 16 Bundesländern verglichen wurde. Demnach schneidet Schleswig-Holstein am besten ab und macht vor allem beim Ausbau der Windkraftenergie große Fortschritte. Der Südwesten überzeuge vor allem mit Klimaschutzzielen und Schritten für mehr erneuerbare Energien beim Heizen.

Auf Platz drei folgt demnach Bayern, das vor allem bei der Solar- und Bioenergie gut abschneide. Nachholbedarf gebe es allerdings noch im Bereich der Windkraft: "Das Potenzial der Windenergie wird dort stark vernachlässigt", heißt es in der Studie. Bayern hat bundesweit die strengsten Regeln für den Abstand zwischen Windrädern und Siedlungen. Diese strikten Abstandsregelungen werden derzeit auch auf Bundesebene kontrovers diskutiert.

Zusätzlich zur Gesamtwertung fallen einzelne Bundesländer aber auch durch individuelle Stärken auf. So liegt Niedersachsen laut einer Mitteilung zur Analyse auf Platz eins im Bereich "Anstrengungen zum technologischen und wirtschaftlichen Wandel". In dem Bundesland seien die Forschungsausgaben für erneuerbare Energien am höchsten.


Hamburg liegt dagegen bei industrie- und technologiepolitischen Erfolgen vorn. In dem Stadtstaat gab es demnach viele Anmeldungen für Patente. Auch Elektromobilität spiele eine große Rolle. Der Anteil der Beschäftigten in der Branche ist laut der Studie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am höchsten.

Schlusslichter Sachsen, Berlin und das Saarland

Die letzten drei Plätze in der Gesamtwertung belegen in der Studie Sachsen, Berlin und das Saarland. Aber auch in den anderen Ländern gibt es den Autoren der Analyse zufolge weiterhin Verbesserungsmöglichkeiten.  

Im Zuge der Energiewende sollen Kohle, Gas und Atomkraft durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Bis 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein, bis 2038 ist der Kohleausstieg geplant. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, im Jahr 2030 einen Anteil aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne am Stromverbrauch von 65 Prozent zu erreichen.

Zuletzt war vor allem der Ausbau der Windenergie ins Stocken geraten. Im ersten Halbjahr 2019 wurden laut einer Erhebung 82 Prozent weniger Windenergieanlagen gebaut als im Vorjahr. Dieser Wert ist der schlechteste seit 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt wurde.  

Der Bundesländervergleich ist seit 2008 der sechste Vergleich in dieser Reihe. Die Agentur für Erneuerbare Energien, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg haben für ihre Erhebung 61 Kriterien verglichen, darunter beispielsweise den Anteil von Ökostrom, Forschung und Patenten, politischen Zielen und Maßnahmen oder Arbeitsplätzen in der Branche.