Die Öl- und Gasfördertechnik Fracking wird in Großbritannien vorerst gestoppt. Die Regierung in London hat ein entsprechendes Moratorium angekündigt. Grund seien Erdstöße, die durch die umstrittene Methode zur Gewinnung von Schiefergas ausgelöst worden seien. Umweltschützer begrüßten den Schritt. Die oppositionelle Labour-Partei forderte ein vollständiges Frackingverbot.

Bislang hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson Unterstützung für die Schiefergasindustrie signalisiert; das Land will seine Abhängigkeit von Erdgasimporten verringern. Doch nun teilte das Wirtschafts- und Energieministerium mit, dass die Arbeiten zur Erforschung der Schiefergasförderung eingestellt worden seien. Die Unterbrechung gelte so lange, bis die Möglichkeit einer sicheren Fortführung klar erwiesen sei.

Eine Prüfbehörde hatte zuvor seismische Aktivitäten in der Nähe eines Frackinggebiets in Preston New Road in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire untersucht. Ein entsprechender Bericht kam zu dem Ergebnis, "dass wir weitere inakzeptable Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung nicht ausschließen können", erklärte die britische Energieministerin Andrea Leadsom. Das Frackingmoratorium gelte mit sofortiger Wirkung. Solange es "keine neuen überzeugenden Beweise" für die Unbedenklichkeit von Fracking gebe, werde die britische Regierung keine neuen Projekte bewilligen.

Zugleich wies Leadsom Forderungen der Opposition zurück, Fracking vollständig zu verbieten. Die Fördermethode bleibe weiterhin eine "riesige Gelegenheit" für das Land und sei deshalb nur ausgesetzt worden, sagte sie der BBC. Außer England haben sich jedoch die anderen drei Länder des Vereinigten Königreichs – Schottland, Wales und Nordirland – gegen Fracking ausgesprochen.

Warnungen vor Verunreinigung des Grundwassers

Die aktuell einzige laufende Frackingbohrung in Großbritannien bei Preston New Road war nach einem Erdbeben der Stärke 2,9 im August ausgesetzt worden. Das dortige Gasvorkommen umfasst nach Schätzungen des British Geological Survey bis zu 90 Billionen Kubikmeter und könnte damit Großbritanniens Gasbedarf über mehr als tausend Jahre decken.

Beim Fracking wird Öl oder Gas mithilfe von Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck aus Gesteinsschichten gepresst. Die Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um die Rohstoffe herauszudrücken.

Umweltschützer warnen unter anderem vor Gefahren für das Grundwasser. Das vorübergehende Aus für das Fracking begrüßten sie. "Dieser Sieg ist einer der größten, den die Klimabewegung je gesehen hat", teilte die Klimaschutzorganisation 350.org mit. Greenpeace forderte, den Ausbau erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne zu beschleunigen.