Kitagebühren zu senken oder abzuschaffen reicht nicht aus, damit mehr Mütter arbeiten gehen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Analysiert wurden dafür die Gebührenbefreiungen der Jahre 2006 bis 2011.

Der Studie zufolge führt ein kostenloses Kitajahr vor der Einschulung nicht dazu, dass mehr Mütter erwerbstätig sind. Diejenigen, die allerdings vor der Abschaffung der Gebühren bereits berufstätig waren, arbeiteten danach rund 0,8 Stunden mehr pro Woche. Die Experten des DIW rechnen damit, dass das sogenannte Gute-Kita-Gesetz ähnliche Auswirkungen haben wird. 

Das Gute-Kita-Gesetz soll nicht nur für mehr Kindertagesstätten samt Personal in allen Bundesländern sorgen. Ein Drittel der zur Verfügung stehenden 5,5 Milliarden Euro sollen verwendet werden, um die Kitagebühren zu senken oder ganz abzuschaffen. Denn bei den Kosten für die Kinderbetreuung gibt es zwischen den 16 Bundesländern nach wie vor große Unterschiede: Während Familien in Berlin schon seit 2018 nichts mehr für die Kita zahlen, müssen Eltern in den meisten anderen Bundesländern teilweise tief in die Tasche greifen. Je nach Einkommen können mehrere Hundert Euro im Monat anfallen. Und nicht nur das: Auch für die Betreuung im Hort nach der Grundschule fallen wieder Kosten an. Auch diese sind regional sehr unterschiedlich.

Die Kosten für die Kinderbetreuung sind für viele Familien eine finanzielle Belastung. Viele entscheiden dann, dass ein Elternteil die Erwerbstätigkeit stark einschränkt. Nach wie vor sind es vor allem die Frauen, die dann entweder in eine Teilzeittätigkeit oder sogar geringfügige Beschäftigung wechseln. Zwar ist die Frauenerwerbstätigkeit in den letzten Jahren gestiegen: 74 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 65 gehen in Deutschland einer Beschäftigung nach (bei den Männern sind es 82,4 Prozent). Allerdings ist fast die Hälfte der Frauen nicht in Vollzeit berufstätig – mit entsprechenden Nachteilen für die spätere Rente.

Die Statistik zeigt auch: Bei Müttern mit Kindern im betreuungsintensiven Alter ist Teilzeit quasi der Normalfall. Mehr als zwei Drittel der Frauen mit Kindern unter drei Jahren haben ihre Arbeitszeit stark reduziert. Und erst wenn die Kinder älter als zehn Jahre sind – und in der Regel die Grundschule beendet haben – erweitern Frauen den Umfang ihrer Berufstätigkeit wieder. Dann haben sie aber schon viele Jahre lang nur geringe Rentenansprüche erworben. Aufstiegs- und Karrierechancen gibt es dann oft auch nicht mehr.

Teilzeitarbeit ist Frauensache

Das Gute-Kita-Gesetz soll daran etwas ändern. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Hoffnungen daran geknüpft, durch eine Reduzierung der Betreuungskosten langfristig auch die Erwerbsbeteiligung von Müttern erhöhen zu können und indirekt etwas für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu tun. Die DIW-Studie zeigt nun aber, dass die Kitagebühren offenbar nur wenig Einfluss auf den Erwerbsumfang von Müttern haben.

Insbesondere, wenn Mütter bereits wieder berufstätig sind, kann sich eine Beitragssenkung sogar nachteilig auswirken: Weil eine Kostenlast wegfällt, entscheiden sich einige Familien dazu, dass die Mutter ihre Erwerbstätigkeit sogar weiter einschränkt, weil jetzt ja mehr finanzieller Spielraum vorhanden ist. "Sofern Kinder bereits eine Kindertageseinrichtung besuchen, wäre es auch möglich, dass sich die Erwerbstätigkeit der Eltern nicht verändert und die eingesparten Gebühren anderweitig verwendet werden", schreiben die Autorinnen in dem Bericht.